Zoom-Meetings und Lippenstift

Es hat Zoom gemacht

Das Medium Von

Und dann klackert man in roten Pumps durch die Wohnung und denkt, wie schnell das alles doch gegangen ist, und sucht den korallenroten Lippenstift – wie hat man überhaupt all die Jahre ohne auskommen können? Knallrot, ja, aber eigentlich ist Koralle doch viel schöner, auch als Nagellackfarbe, und zum roten Kleid passt es auch, nun noch ein bisschen Kajal, und es kann losgehen.

Anzeige

Alle »zoomen« nämlich jetzt, denn die Schwarmdoofheit hat sich, wie praktisch immer, unter allen Angeboten zum digitalen Treffen das unsicherste ausgesucht, und nun isses, wie es ist, man macht entweder mit oder ist isoliert.

Wobei Zoom eben den Vorteil hat, dass man nun nicht mehr in gleichermaßen gemütlichen wie schluffigen Klamotten und noch dazu ungeschminkt vor dem Rechner herumsitzt, sondern hübsch zurechtgemacht, könnte ja sein, dass man dringend mit jemandem zoomen muss. Und wenn man schon bei eigentlich abscheulichen Programmen Zugeständnisse macht, geht es natürlich nicht, dass man sich dafür nicht nett herrichtet, zumal man es schon vor langer, langer Zeit aufgegeben hat, mit Leuten zu reden, die Schminke unnatürlich finden und Pumps abscheulich. Im eigenen Leben ist schließlich nur für eine begrenzte Menge an Idioten und Idiotinnen Platz.

Also klackert man in roten Pumps durch die Wohnung und hat gerade den korallenroten Lippenstift gefunden und ah, da ist ja auch der Kajal, und man sieht so schön aus, wie es nur geht, und denkt, ja, das ist alles wirklich schnell gegangen, aber Hauptsache man bewahrt Stil, Manieren und Würde. Und dann guckt man sich nochmal die Rede der Queen an und entfreundet alle, die sie blöd fanden, und jemand will ein bisschen zoomen, cool, ja, gleich, nur eben noch die Kolumne fertigschreiben. Und den korallenroten Lippenstift nachziehen, natürlich. Stil halt und Würde.