Die Zunge nicht gehütet

Islamische Extremisten rufen zum Mord an einem christlichen Prediger in Schweden auf. Er hat Mohammed einen »verwirrten Pädophilen« genannt. von bernd parusel, stockholm

Runar Sögaard brauchte nicht viele Worte, um den Hass muslimischer Fanatiker auf sich zu ziehen. Der aus Norwegen stammende, hauptsächlich aber in Schweden, den USA und Australien tätige christliche Prediger bezeichnete in der Stockholmer »Filadelfiakyrkan«, einem Gotteshaus der freichristlichen Pfingstgemeinde, den Propheten Mohammed als einen »verwirrten Pädophilen«.

Diese Worte fielen bereits Ende März. Einen Monat später, als Sögaard seine Predigt auf CD eingespielt hatte und Boulevardzeitungen darüber berichteten, sind seine Äußerungen plötzlich in aller Munde. Strenggläubige Moslems äußern sich empört über die »Beleidigung des Propheten«. Der Vorsitzende des schwedischen »Rats der Imame«, Hassan Moussa, verurteilte Sögaards »Hasspredigt« im Boulevardblatt Expressen. Die muslimische Minderheit in Schweden werde nicht ruhen, bis Sögaard wegen seiner »Hetze gegen den letzten Propheten des Islam« vor Gericht gestellt werde. Seine Worte zeugten von einer »Kreuzzugsmentalität, die in einer zivilisierten Gesellschaft nichts zu suchen« habe. Von den Botschaftern islamischer Länder in Stockholm forderte Moussa, bei der schwedischen Regierung Protest einzulegen. Gleichzeitig warnte er die muslimische Minderheit in Schweden vor gewaltsamen Aktionen.

Einen Tag vor Moussas Artikel im Expressen meldete sich Sögaard bei der Stockholmer Polizei und erklärte, Briefe mit Morddrohungen erhalten zu haben. Seitdem steht er unter Polizeischutz. Die Zeitung berichtete unterdessen, fundamentalistische Imame hätten eine »Fatwa« über den Prediger verhängt, ähnlich dem Todesurteil, das 1989 gegen Salman Rushdie ergangen sei.

Mehrere nicht namentlich genannte Personen aus dem Umfeld terroristischer islamistischer Organisationen sollen Expressen ihre Bereitschaft erklärt haben, das Todesurteil gegen Sögaard zu vollstrecken. »Wenn ich ihn sehe, schieße ich«, soll einer von ihnen erklärt haben. Das Konkurrenzblatt Aftonbladet behauptet derweil unter Berufung auf Internetseiten muslimischer Extremisten in Gaza, Usbekistan und Arizona, die schwedische Gesellschaft insgesamt sei akut von Terrorakten bedroht. »Wir werden uns für die Beleidigung unseres Propheten rächen«, heißt es offenbar auf einer der Homepages. Die schwedische Öffentlichkeit habe sich nicht deutlich genug von den Aussagen des »Ketzers« distanziert.

Zu Ausschreitungen wie in den Niederlanden im November, als der Filmemacher Theo van Gogh von einem Islamisten ermordet wurde und Rechtsextreme daraufhin Moscheen angriffen, ist es in Schweden bisher nicht gekommen. Eine Demonstration von rund 500 Gegnern Sögaards vor der Filadelfia-Kirche Ende April verlief friedlich. »Wir verlangen Respekt«, hieß es auf Transparenten, und die freichristliche Gemeinde wurde aufgefordert, sich von Sögaard zu distanzieren. Ihr Leiter, der Priester Sten Gunnar Hedin, entgegnete zwar, in einer demokratischen Gesellschaft hätten alle das Recht, »sich zu verschiedenen Fragen zu äußern«, untersagte es Sögaard jedoch, weiterhin in der Kirche aufzutreten.

Dem Theologen Rune Imberg zufolge hatte Mohammed zwölf Ehefrauen und Konkubinen, darunter Aisha, die er heiratete, als sie neun war. Ein derart niedriges Heiratsalter für Mädchen sei zu Lebzeiten des Propheten jedoch nichts Ungewöhnliches gewesen, so Imberg im Svenska Dagbladet. Die Wortwahl Runar Sögaards bei seiner Predigt in Stockholm könne aus verschiedenen Gründen kritisiert werden. Fragen danach, ob das Privatleben des Propheten vorbildhaft gewesen sei, müssten sich Muslime in einer Demokratie jedoch stellen lassen.

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