Rechtsextreme Musik auf den Index in Brandenburg

Es geht auch anders

Brandenburgs Innenbehörde hat 16 rechtsextreme CDs indiziert. Jörg Schönbohm verkauft das als großen Erfolg.

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Bravo, endlich einmal gute Nachrichten aus Brandenburg, dem Bundesland, das ansonsten vor allem viele Verkehrstote, Arbeitslose und rechtsextremistische Straftaten zu verzeichen hat. Von 29 Anträgen, rechtsextreme CDs und DVDs zu indizieren, sind in diesem Jahr bereits 16 ­bewilligt worden. Betroffen sind CDs von Bands wie Landser, Jungsturm und Terrorkorps. Weil vor drei Jahren noch 74 rechtsextreme Mu­sik-CDs auf den Index kamen, redet sich die Landesregierung große Erfolge ein. Die diesjährige Indizierung sei ein Beleg für »die Schlagkraft un­serer Sicherheitsbehörden im Kampf gegen den Rechtsextremismus«, frohlockte der brandenburgische Innenminister Jörg Schönbohm (CDU).
Er meint offenbar, seinem im Jahr 2005 verkündeten Ziel, die »Zukunft unserer Kinder« schützen zu wollen, einen großen Schritt näher gekommen zu sein. Sollten sich etwa bald auch wie­der Ausländer oder Menschen mit dunkler Hautfarbe nach Brandenburg trauen können? Dann könnte man ja endlich guten Gewissens den Projekten gegen Rechtsextremismus das Geld streichen und nicht einfach nur so.
Ganze fünf CDs haben es auf die Liste B geschafft, was bedeutet, dass sie in Deutschland nicht mehr hergestellt, bezogen, vorrätig gehalten, angeboten oder angekündigt werden dürfen. Der Besitz einer solchen CD ist dennoch nicht strafbar. Dass Nazis so oder so Werbung für sich und ihre Ideologie machen können, hat man an den so genannten Schulhof-CDs gesehen, die häufig und in großen Mengen verteilt wurden. Zwar wird die NPD nach wie vor vom Verfassungsschutz überwacht, aber das gilt auch für die Linkspar­tei. Beide sind in Brandenburg allgemein akzeptierte Parteien.
Und die rechtsextremen Jugendlichen in Brandenburg sind flexibler, als man denkt. Immer mehr von ihnen hören statt des brachialen Rechtsrocks mit seinen plumpen Parolen moderne Popmusik. Einige Neonazis können sich etwa problemlos mit den Rappern des Labels Aggro Berlin identifizieren.
Zwar sind auch die Werke einiger Rapper indiziert, aber diese sind offenbar so massenkompatibel, dass man beinahe alle ihre Lieder über eine einfache Suche bei Google finden kann. Und zumindest in Ansätzen bieten auch die deutschen HipHopper Stoff für rechtsextremes Gedankengut. Zwar wird selten gegen Ausländer gehetzt. Jedoch sind Sexismus, Antiamerikanismus, Homophobie und ein vermeintlich rebel­lischer Charme in den Texten von Sido, B-Tight und Prinz Pi zu finden.
Dass man im Zeitalter von MP3 und Internet ohnehin seine CDs nicht unbedingt im Laden kaufen muss, sollte sich eigentlich bis ins brandenburgische Parlament herumgesprochen haben. Und Nazirock ist sowieso meist nicht mehr »made in Germany«, sondern wird mit Vorliebe in den skandinavischen Ländern und in den USA produziert und verkauft. Obwohl das Tauschen von Musik auf den einschlägigen Börsen rückläufig ist, kann man sich so ziemlich jedes Lied der indizierten Bands im Internet besorgen. Man muss nicht einmal mehr CDs brennen und auf dem Schulhof tauschen, mit ein, zwei Mausklicks landet alles auf der Festplatte. Jörg Schönbohm sollte sich also weiterhin um die »Zukunft unserer Kinder« sorgen.