Banken, Multis, Laizismus

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Von leo elser
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Gott hat es wohl nicht gut gemeint mit den Piusbrüdern und ihren Schwestern, die sich in Freiburg zu einem »Gebets- und Demonstrationszug zum Schutze des Lebens« versammelt hatten. Während es die Tage vorher sommerlich warm war, bescherte der Freitagabend voriger Woche den Schäflein nasskaltes Wetter. Für jede der zwölf Stationen des »Kinderkreuzwegs« kniete sich die etwa 80 Seelen zählende Gemeinde in die Pfützen auf dem Gehsteig vor »Pro Familia«, bei der es sich dem Aufruf der Abtreibungsgegner zufolge um »geschickte Psychologen, die die Frauen und Mädchen in Not zum Schwangerschaftsabbruch bewegen«, handle. Die Familien- und Sexualberatungsstelle öffnete ihre Fenster und ließ den Hirten gegen lautstarkes Radio ansingen.
Nebenan hatten sich rund 100 Gegendemonstranten versammelt und versuchten lärmend, die Gebete und das Radio zu übertönen. »Onanie macht schwerhörig« hieß es auf einem Schild der Brüder, was evident wäre, täte man es regelmäßig auf Veranstaltungen wie dieser. Nein, leicht hatten sie es nicht, die Lämmer in ihrem Kampf gegen die »Ideologie der Freimaurerei«, als deren Säulen sie im Mitteilungsblatt vom Januar Laizismus, Empfängnisverhütung und Abtreibung entlarvt haben, die hinter sich immerhin »mächtige und einflussreiche Kräfte [habe], von denen die wichtigsten […] die multinationalen Konzerne und Banken« seien. Konsequenterweise folgte während des Demonstrationszuges durch die Innenstadt dem Kreuz- ein Palituchträger. Unklar, ob das der Grund für die Verwirrung eines Gegendemonstranten war, der auf den deutlich abseits stehenden Verfasser dieser Zeilen ein mit Sahne gefülltes Kondom warf.
Während der Abschlusskundgebung, die die Piusbrüder wohl in Anspielung auf vermeintliche Parallelen zwischen Abtreibung und Judenmord dort abhielten, wo bis zur Reichspogromnacht die Freiburger Synagoge stand, wurden drei Gegendemonstranten festgenommen.