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Auf Nadine Moranos Niederlage am Sonntag stießen in ganz Frankreich Menschen unabhängig vom sonstigen Wahlausgang noch einmal extra an. Im lothringischen Toul scheiterte die frühere Staatssekretärin und stellvertretende Ministerin für Soziales bei ihrem Versuch, sich erneut in die französische Nationalversammlung wählen zu lassen. Die 1963 in Nancy geborene Politikerin der konservativ-wirtschaftsliberalen Partei UMP unterlag mit 44 Prozent der Stimmen ihrem sozialistischen Gegenkandidaten Dominique Potier. Aber an mangelnder Bereitschaft, alles für ihren Sieg zu tun, lag es nicht. Insbesondere hatte Morano so offen, wie es bürgerliche Politikerinnen selten tun, um Wähler des rechtsextremen Front National (FN) gebuhlt und die »gemeinsamen Werte« hervorgehoben.
Die Morano repräsentierende Puppenfigur in der Satiresendung »Les Guignols de l’info« ist eine Fischverkäuferin, die mangelnde Intelligenz durch Lautstärke kompensiert. Besonders berüchtigt wurde Moranos Auftritt im Dezember 2009 in Charmes in den Vogesen. Im Geburtsort des nationalistischen und antisemitischen Schriftstellers Maurice Barrès definierte sie munter drauf los, was sie unter Nationalidentität versteht: »Ich fordere den jungen Muslim auf, er soll Frankreich lieben, er soll seine verkehrt herum aufgesetzte Schildmütze absetzen, keinen Jugendslang sprechen und sich einen Job suchen.«
Am vergangenen Freitag nun folgte der Gipfel der Peinlichkeit. Morano hatte sich, wie sich herausstellte, von dem Komiker und Stimmenimitator Gérald Dahan hereinlegen lassen. Dieser hatte sie angerufen und sich als der stellvertretende Vorsitzende des FN, Louis Aliot ausgegeben. Dieser ist zugleich der Lebensgefährte von Marine Le Pen. Morano wetterte sogleich gegen den Multikulturalismus: »Ich will nicht, dass mein Land wie der Libanon wird!« Zu Marine Le Pen merkte sie an, diese verfüge »über sehr viel Talent«. Schließlich schlug sie dem vermeintlichen Aliot vor, sie wolle »ein anderes Mal reden, ich stecke gerade im Wahlkampf«. Das war selbst dem konservativen stellvertretenden Premierminister François Fillon, der tags zuvor Morano noch in eben diesem Wahlkampf unterstützt hatte, zu viel: »Mit den Führungsleuten des FN redet man nicht«, und »sie hätte auflegen sollen«, befand er. Sie bereue nichts, ließ Morano wissen.