»Jetzt werden die Leute handgreiflich«

Hipster? Antifa? Passt das zusammen? Für die »Hipster Antifa Neukölln« (HAN) auf jeden Fall. Seit kurzem mischt sich die Gruppe in die Debatte um steigende Mieten und die Verdrängung der ärmeren Bevölkerung in Berlin ein, auf Facebook hat sie eine Grundsatzerklärung veröffentlicht. Ein Mitglied der HAN hat mit der Jungle World gesprochen.
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Gibt es in der HAN nur richtige Hipster, mit Hornbrillen, knallengen Jeans und cool bedruckten Jutebeuteln?
Es ist gemischt. Uns geht es aber auch gar nicht darum, eine Hipster-Identität zu pflegen. Wir sind solidarisch mit denjenigen, die Hipster sein wollen. Das sollte man tun können, ohne auf die Fresse zu kriegen.
Die HAN kritisiert vor allem die Entwicklung der sogenannten Gentrifizierungskritik. Was stört Sie an der Diskussion?
Viele Personen haben berechtigte Anliegen, wollen nicht noch mehr Miete zahlen oder aus ihrer Wohnung herausgeekelt werden. Es ist legitim, wenn sie sich wehren. Wir finden es aber bedenklich, wenn daraus eine ideologisch überhöhte Kampagne wird, auf die unzählige linke Gruppen aufspringen. Die Diskussion wird von Ressentiments bestimmt, die mit einer Kritik an den strukturellen Problemen nichts mehr zu tun haben, die im Kapitalismus herrschen. Das führt zu diversen Ekelhaftigkeiten, beispielsweise werden Personen als Verantwortliche abgestempelt. Das ist falsch und gefährlich, das sieht man an den Übergriffen, die es bereits gegeben hat.
Welche Vorfälle gab es denn?
Zurzeit legen wir eine Chronik an. Aber auch ohne ausführlich in Polizeiberichten und der Tagespresse recherchiert zu haben, erfährt man viele Geschichten. So wurden Freunde kürzlich im Görlitzer Park in Kreuzberg mit Flaschen beworfen, weil sie für Touristen gehalten wurden. Touristen hätten da nichts zu suchen, hieß es. Angriffe auf Leute, die für Schwaben gehalten wurden, haben es ja bereits in die Presse geschafft. Früher war die Feindschaft gegen Hipster, Schwaben und Touristen vielleicht nur ein Späßchen. Jetzt werden die Leute handgreiflich.
Ein Slogan der HAN lautet: »Für die Aufwertung der Kieze – für mehr Bars, Soja-Latte, Wifi und Bio-Märkte!« Gibt es Reaktionen auf solche provokativen Forderungen?
Einige regen sich tierisch auf. Das freut uns. Der Slogan soll ja provozieren. Aber man könnte tatsächlich mal darüber diskutieren, was an mehr Bars und Bio-Läden wirklich schlecht ist. Viele Leute lehnen das nur aus dem Bauch heraus ab.