Merkwürdige Lektüren

Alfred Schmidt. Was sind das nur für Zeiten? Während mit Judith Butler nach Jean-Luc Godard und Zygmunt Bauman nun schon der dritte erklärte Feind Israels den Frankfurter Adorno-Preis erhält, stirbt am 28. August mit dem 81jährigen Alfred Schmidt einer der letzten im besten Sinne des Wortes orthodoxen Verfechter der Kritischen Theorie. Alfred Schmidt war ein Schüler Horkheimers und Herausgeber seiner gesammelten Werke. Orthodox war Schmidt schon allein darin, dass es ihm egal war, wie unzeitgemäß sein Beharren auf den Potenzen des Subjekts und sein Widerspruch gegen die Omnipotenz der Struktur wirkte; orthodox blieb Schmidt auch dadurch, dass er Kontemplation, betrachtende Sinnlichkeit und Rezeptivität gegen den Imperativ fortwährender Pseudoaktivität und beständigen Engagements verteidigte. Merkwürdig lesen sich Schmidts Hauptwerke deshalb heutzutage sicherlich – aber gerade weil sie so merkwürdig stimmen, lohnt sich die Lektüre.   UK

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