CSD oder Fanmeile? Public viewing abschaffen!

Das Schlandpack darf nicht zur Masse werden

Erfahrungsgemäß kann sich der Deutschland-Pöbel nicht benehmen. Die einzige Lösung ist deshalb: kein Public-WM-Viewing, nirgends.
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Fangen wir mit den Anstoßzeiten an: Natürlich ist es ein furchtbarer Skandal, dass die Vorrundenspiele der deutsche Nationalmannschaft in Brasilien nicht zu angenehmen Uhrzeiten wie um Mitternacht, sondern hauptsächlich um 18 Uhr beginnen, denn dann hätte sich die Frage, ob denn am 21. Juni nun die CSD-Teilnehmer oder die Schland-Fans am Brandenburger Tor feiern dürfen, von vornherein erledigt, weil natürlich das schwarz-rot-goldene Pack so spät gar nicht mehr rausdarf. Oder -will. Oder -kann, weil es sich schon vorab zu Hause mit zu viel Nationalstolz und Bier abgefüllt hat.
Aber nun fängt das Deutschland-Tröten-Gedöns halt an, wann es anfängt, und deswegen muss also eine Frage diskutiert werden, die eigentlich keiner Diskussion bedarf. Denn es ist doch so: Wenn sich schon zwei unterschiedliche Menschenmassen darum bewerben, auf irgendeinem öffentlichen Platz Party zu machen, dann will man in jedem Fall, dass die Masse, bei der garantiert ist, dass sie keine Leute verhaut oder beleidigt, weil sie beispielsweise eine ihr nicht genehme Hautfarbe haben, den Vorzug erhält. Und die andere halt selber zusieht, wo sie bleibt.
Womit wir bei früher sind, als alles noch besser war, jedenfalls fußballtechnisch. Damals, als es noch zwei Deutschlands gab, saßen deren jeweilige Fußballanhänger schön brav zu Hause oder vor den Fernsehern irgendwelcher Kneipen, die sich durch Namen wie »Treffpunkt«, »Willys Pilsstübchen« oder »Bei Anni« auszeichneten, und wären nie auf die Idee gekommen, dass das, was sie da trieben – also im Großen und Ganzen in Nationaltaumel verfallen und dummes Zeug von sich geben –, derart hipp sein könnte, dass es unbedingt öffentlich zelebriert gehörte.

Seit der ganze Krempel aber nicht mehr auf die Namen BRD oder DDR hört, sondern »Deutschland!!!« ist, hat sich das grundlegend geändert. Seither wird ganz selbstverständlich erwartet, dass selbst in ausgewiesenen Kleinststädten die damit grundsätzlich vollkommen überforderte Verwaltung den Marktplatz absperrt und natürlich auch den Durchgangsverkehr schon Tage vorher auf dazu nicht geeignete Einbahnsträßchen umleitet, damit der örtliche Deutschland-Pöbel am Samstagsabend schön dicht gedrängt auf eine Leinwand starren und gemeinsam scheußliche Slogans rufen kann. Warum man diese ganzen Leute nicht einfach zum WM-Gucken ins Stadion des Dorfclubs steckt, man ahnt es nicht. Oder vielleicht doch: Wahrscheinlich würde mindestens die Hälfte auf dem Waldweg zu dem ihnen unbekannten Ort (Deutschland-Fans interessieren sich nämlich nicht für so was Blödes wie Vereinsfußball) für immer verschwinden – vielleicht, weil sie in den Fischteich des städtischen Angelvereins gefallen sind, vielleicht aber auch nur, weil sie beim Pipimachen in eine nur notdürftig gesicherte, schon vor vielen Jahren angelegte und seither vergessene Baugrube stolperten – und so viel Schwund können sich Kleinstädte heutzutage natürlich nicht leisten.

Und Berlin leider auch nicht, sonst könnte es eine ausgezeichnete Idee sein, die WM-Abfeier-Bagage zum Partymachen in den Grunewald oder raus nach Tegel zu schicken. Aber muss sie wirklich geballt irgendwo herumstehen und gemeinsam Fernsehen gucken? Rein theoretisch könnte man sie auch zu einem eigenen Umzug losschicken. Anderthalb Stunden lang könnte man die Deutschland-Deppen dann, verziert mit lustigen Mützchen und der üblichen Bemalung, durch irgendwelche Straßen schicken, was gleich mehrere Vorteile hätte, unter anderem den, dass sie sich hübsch an der frischen Luft bewegen würden und sich auch nicht verlaufen könnten, weil sie ja immer den vielen LKW mit den Fernsehern drauf hinterhertrotten würden. Unterwegs könnten sie nach Herzenslust tröten und vuvuzelaen und wonach ihnen sonst noch so ist, und wer Lust dazu hätte, könnte die Knalltüten-Parade gemütlich vom Bürgersteig oder aus dem Wohnzimmerfenster lehnend betrachten.
Aber das geht natürlich auch nicht, weil das Schlandpack sich erfahrungsgemäß nicht benehmen kann und man es den meisten Stadtteilen daher leider gar nicht zumuten kann, so eine Schwarzrotdingens-Parade auszurichten. Und deshalb gibt es auch nur eine Lösung: Der CSD feiert am Brandenburger Tor und in Berlin gibt es nicht nur am 21. Juni, sondern generell kein Public-WM-Viewing, Ende, aus, fertig.
Wer trotzdem auf das Massenerlebnis Fußballgucken nicht verzichten möchte, muss halt nach Hause fahren und auf dem dortigen Marktplatz die WM ansehen (und für die Anfahrt eine Stunde mehr als üblich einplanen, genau, wegen der vielen Umleitungen) oder, wenn daheimbleiben und auf dem Sofa sitzen absolut nicht geht, stundenlang vor dem Anpfiff in irgendeiner Kneipe sein, um sich einen guten Platz zu sichern. Oder man lässt es ganz, denn Deutschland wird sowieso nicht Weltmeister. Ätschbätsch!