Es geht sich aus

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Die Anreise
Ein Kollege kam mit dem Motorrad, andere mit Flieger und Bahn. Das Team, das mit dem Auto anreiste, nutzte die Fahrt zur Recherche in der Provinz. Es soll dort doch Berge geben, berichten die Kollegen. Und der Dialekt sei noch a bisserl ärger als in Wien. In einem Wiener Café versammelten wir uns. Wichtig: Biergartengäste (auf Österreichisch »Gastgartengäste«) werden hier zuweilen mit ausgiebigen Bierduschen empfangen.

Unterkunft
Erstmals in der Geschichte der Jungle-Reisen sind wir nicht alle an einem Ort untergebracht und die Redaktion befindet sich auch woanders. Die meisten residieren in WGs, deren Bewohner gerade ausgeflogen sind. Andere wohnen in einer Ferienwohnung, in der echtes Leben als Dekoration zu besichtigen ist.

Redaktion
Die Redaktion haben wir in einem stuckverzierten, teils holzvertäfelten Saal mit wunderbaren riesigen Flügeltüren aufgebaut. Allerdings hat das alte Gemäuer einen derartigen Hall, dass man kaum sein eigenes Wort versteht. Konferenzen sind eigentlich unmöglich. Wir verständigen uns hauptsächlich draußen im Hof beim Rauchen. Das Ganze befindet sich im Kulturzentrum WUK, wo in Kürze auch Rocko Schamoni und Thomas Ebermann auftreten werden, weshalb uns hier überall ihr Konterfei entgegenlacht. Sehr vertraut alles. In dem Gebäude gibt es ein Beisl, womit die Österreicher eine Kneipe bezeichnen, in der es auch etwas zu beißeln gibt. Wir sind bestens ausgerüstet mit Layoutern, Administratoren und Geschäftsführerinnen. Auch ehemalige Kolleginnen und Kollegen sind mitgekommen. Erstmals ist auch ein Flipchart im Einsatz.

Das Essen
Ohne Käsekrainer keine Würstlbude, ohne Würstl­bude kein Wien, ohne Wien kein Österreich. Klingt profan, aber so kann man es wohl zusammenfassen. Die viel gelobten Würste, auch liebevoll »Eitrige« genannt, können ein kleiner Snack sein oder auch eine vollwertige Mahlzeit, sie werden »mit Gebäck« oder als Hotdog serviert, sogar im Dürüm als »Kebab«. Aber: Für Berliner ist es eine Umstellung, zwischen Ketchup und Senf wählen zu sollen, wo man »Knoblauch oder Scharf« erwartet. Mit unserem Lieblingsösterreicher waren wir bei seinem Lieblingsgriechen, weil es für seinen Lieblingsheurigen zu regnerisch war.

Die Recherchen
Nachdem uns die ersten Tage wunderbares Kaiserwetter verwöhnte, setzte der Regen ein. Sogleich machte der uns den ersten Strich durch die Rechnung: Eigentlich wollten wir auf der Donau surfen, aber es war zu nass – von oben! Das Wetter wurde dann wieder besser und wir konnten alles abhaken: Stadtführung, Burgenlandreise, Feuerkogel, Nightlife, unzählige Interviews. Wir trafen Monarchisten und Antifaschisten, Künstler und Lebenskünstler, Comiczeichner und DJs. Und viele hoch geschätzte Autorinnen und Autoren.

Die Österreicher
Sehr nette Leute. Und feiern können sie auch. Ob beim Polka-Punk auf dem Lande oder in Wiens angesagtesten Clubs. Einige Kolleginnen und Kollegen mussten sich fragen lassen: »Haben Sie Wien schon bei Tag gesehn?« Auch die U-Bahn fährt nachts durch. Aber nur am Wochenende. In der Woche kann es passieren, dass in einer als cool geltenden Bar um viertel nach Elf die Lichter angehen und man von drei Meter großen Hooligans mit Quarzsandhandschuhen aus dem Laden komplimentiert wird, obwohl man gerade noch ein frisches Bier serviert bekam.

Sprache
Natürlich denkt unsereins gleich das Schlimmste, wenn Österreicher etwas faschieren wollen und gar faschierte Laibchen anbieten. Aber Entwarnung: Es handelt sich nur um Bouletten. Wenn jemand sagt: »Konnst a poar Tschicks mitbringa?« ist dies kein Macho-Spruch, demzufolge man sich um weibliche Begleitung kümmern soll, sondern es geht um Zigaretten. Sowieso ist meistens etwas ganz Harmloses gemeint. Wenn man immer artig nickt und so tut, als verstünde man, dann versteht man sich schließlich tatsächlich ganz gut. Der Ösi will halt auch keinen Stress, jedenfalls nicht dann, wenn er nicht gerade seine Quarzsandhandschuhe dabei hat.

Resümee
Wenn man uns nach dieser Ausgabe noch lässt, kommen wir gerne mal wieder. Zwar hatten wir in Wien mit mehr Bergen gerechnet, aber ohne ist eigentlich noch besser. Daumen hoch, Ösis!