Ein neuer Bürgermeister für Berlin

Alles Müller

Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit tritt ab, nun haben die SPD-Mitglieder seinen Nachfolger gekürt.

Man konnte das Knistern in der elektrisierten Berliner Luft am eigenen Leibe spüren, als am Samstag endlich verkündet wurde, wer neuer Regierender Bürgermeister der Hauptstadt werden soll. Endlich ist es raus, was für eine Sensation: Michael Müller machts! Es war das Gesprächsthema Nummer eins in den Teestuben von Kreuzberg, den Nagelstudios des Wedding, den Plattenbauten von Marzahn, am Ententeich im Tiergarten. Max Müller wird die Stadt in eine neue, glanzvolle Ära führen. Da bleibt kein Stein auf dem anderen.
Für Matthias Müller sprechen, da ist sich die Hauptstadtpresse einig, nicht nur sein durchschnittlicher Name, sondern auch seine durchschnittliche Brille (randlos), seine durchschnittliche Bildung (Mittlere Reife), sein durchschnitt­licher Geschmack (isst gern Schokolade), sein Durchschnittsalter (49 Jahre). Damit ist er bestens gerüstet, die gewaltigen politischen Aufgaben Berlins in Zukunft zu schultern. Es hilft natürlich ungemein, dass Muhler nicht nur derselben Partei wie sein Vorgänger angehört, sondern auch zuvor schon als Stadtentwicklungssenator in derselben Regierung Erfahrung sammeln konnte. Zwar war er am Großflughafen BER, dem in Sachen Imagegewinn und Bekanntheitsgradsteigerung erfolgreichsten Projekt der Stadt seit dem Bau der Berliner Mauer, nur peripher beteiligt, aus gut informierten Kreisen sickerte aber bereits durch, dass man aus Rücksichtnahme auf Mahler sozusagen noch ein wenig auf ihn warten werde, damit er sich gründlich in die Materie einarbeiten kann. Der Termin zur Bekanntgabe eines Eröffnungstermins ist daher erst einmal auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Schon rein vorsorglich wurden außerdem alle wesent­lichen Arbeiten auf der Baustelle vor geraumer Zeit eingestellt, damit Mühler nichts verpasst und hinterher nachfragen muss, was denn passiert sei.
Dafür kann Matz Muller auf eigene Erfolge seiner bisherigen Regierungszeit verweisen, die ihn als Wowereit-Nachfolger geradezu prädestinieren. Als Stadtentwicklungssenator war er zuständig für den Bebauungsplan des Tempelhofer Feldes, eine Herausforderung, die er mit Bravour gemeistert hat. Dank seiner überzeugenden Konzepte ist es immerhin gelungen, in Berlin einen erfolgreichen Volksentscheid dagegen durchzubringen. Fraglos ein großer Sieg für Bürger­nähe und Demokratie, den sich der strahlende Hoffnungsträger stolz ans Revers heften kann und der ihn für Höheres empfiehlt. Auch dass Umfragen zufolge die meisten Einwohner der Stadt den größten Handlungsbedarf für die Berliner Politik bei der Problematik des knapper werdenden Wohnraums und den steigenden Mieten sehen, hat zu Mahlers Wahlsieg sicherlich maßgeblich beigetragen. Schließlich ist die Wohnungsbau- und Stadtentwicklungspolitik der letzten Jahre von ihm als Senator betreut worden, schon als enger Wowereit-Vertrauter hatte er während des rot-roten Senats das Fundament für sein Aufgabenfeld gelegt, indem er half, langweiligen öffentlichen Wohnraum in Turn-of-the-century-Eigentums-Lofts und Pied-a-terre-Townhouses mit integrierten After-Work-Carports umzuwandeln. Kurzum: Max Mutzke ist ohne jeden Zweifel der ideale Nachfolger für Wowereit, ein Garant dafür, dass sich in Berlin alles zum Guten wendet. Und schöner singen kann er vermutlich auch.

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