Außen gut

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Ob die Eier auch aus einem »Freiluftgefängnis« stammten oder nur aus Bodenhaltung, ist nicht bekannt. Bei seinem Besuch in Ramallah am vergangenen Son-ntag wurde John Bairds Konvoi jedenfalls von Dutzenden Palästinensern mit Eiern und Schuhen beworfen. Damit wollten sie ihren Unmut darüber ausdrücken, dass die kanadische Regierung die Aufnahme »Palästinas« in den Internationalen Strafgerichtshof (IStGh) abgelehnt hatte und ein enger Verbündeter Israels ist. Kanada ist einer der Gründer des Gerichtshofs. Dessen Entscheidung vom Freitag zuvor, mit Vorermittlungen gegen israelische Soldaten wegen angeblicher Kriegsverbrechen im Gaza-Krieg 2014 zu beginnen, bezeichnete der kanadische Außenminister Baird als »zutiefst bedauerlich« und den Aufnahmeantrag der Palästinenser als »großen Fehler«. Bairds Sprecher zufolge sei Palästina kein Staat und hätte daher auch nichts im IStGh zu suchen.
In Ramallah hatte sich der kanadische Konservative Baird mit dem palästinensischen Außenminister Riad Maliki getroffen und sich »offen und ehrlich« über Angelegenheiten ausgetauscht, »bei denen wir unterschiedliche Meinungen vertreten«. Der Eierangriff juckte ihn nicht besonders. Er habe Schlimmeres während der vier Jahre im Kabinett von Mike Harris erlebt, dem ehemaligen konservativen Ministerpräsidenten von Ontario, sagte Baird der Presse. Im Rahmen einer fünftätigen Reise traf sich Baird auch mit israelischen Politikern und betonte, dass Kanada nicht nur hinter Israel stehe, sondern Schulter an Schulter. Schade, dass es meist eher rechte »westliche« Regierungen und Politikerinnen und Politiker sind, die Israel gegen Versuche, den jüdischen Staat zu delegitimieren, unterstützen. So verurteilte Baird auch deutlich die antisemitische BDS-Kampagne und setzte sich 2012 für eine Ausweisung iranischer Diplomaten aus Kanada ein, da der Iran heute »die bedeutendste Bedrohung für Frieden und Sicherheit in der Welt« darstelle. In Kanada steht Baird nicht immer für progressive Politik. So setzte er sich etwa als Sozialminister für einen Ausbau von workfare-Programmen und eine strenge Überwachung von Sozialleistungsbeziehern ein. Anders als einige konservative Parteikollegen unterstützt er jedoch auch die Rechte Homosexueller und kritisierte einige homophobe afrikanische Regierungen. Im Außenamt ist er wohl am besten aufgehoben.