Dem Betreiber der Kölner »Klagemauer« geht es schlecht

Kein Raum für Antisemitismus

Dem Betreiber der antiisraelischen »Klagemauer« in Köln wurden die Lagerräume gekündigt, er selbst ist offenbar schwer krank. Doch mögliche Nachfolger stehen schon bereit.
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Seit Jahren steht sie auf der Kölner Domplatte: die antisemitisch geprägte Installation namens »Kölner Klagemauer«, mit der Walter Herrmann Hass auf Israel schürt. Doch nun deutete einiges daraufhin, dass diese Unerfreulichkeit vielleicht ein Ende findet. Im Oktober 2015 kündigte das traditionsreiche Bürgerzentrum Alte Feuerwache dem »Klagemauerbetreiber« Walter Herrmann die Räume in ihrem »Pförtnerhäuschen«. Nicht nur dort, sondern auch in der angrenzenden Halle lagert der 76jährige seit 25 Jahren nachts die Materialien seiner Dauerausstellung.
Diese kennt seit über zehn Jahren nur ein Thema: Hetze gegen den demokratischen Staat Israel. Mit Hilfe von Papptafeln spricht der in der Öffentlichkeit eher wirr auftretende Dauerdemonstrant Herrmann fortgesetzt über ein Thema, von dem er erkennbar nichts versteht. Als sich zwei Mitarbeiter des Bürgerzentrums gegen Herrmanns immer weiter um sich greifende Inanspruchnahme fremden Eigentums wehrten, griff dieser zu seinem Lieblingsmittel: Er denunzierte die Angestellten öffentlich und wiederholt unter Nennung ihres Namens. Irgendwann wurde es den Mitgliedern der Alten Feuerwache zu viel: die Mitgliederversammlung des Vereins sprach eine Kündigung aus, unter anderem wegen Beleidigung und Vereinsschädigung. War die Alte Feuerwache vier Jahre zuvor noch mit diesem Ansinnen gescheitert, so setzte das Bürgerzentrum die Kündigung nun mit politischer Klugheit durch. Seit dem 27. Dezember darf Herrmann seine Materialien nicht mehr dort lagern.
Hans-Georg Lützenkirchen, der Vorsitzende der Alten Feuerwache, teilte dazu mit: »Der Förderverein anerkennt die Sachlage und hat seinerseits die Beendigung des ›Verhältnisses‹ mit der AF bestätigt. Ich begrüße es auch, dass man sich bemüht, für Herrmann eine andere ›Bleibe‹ zu finden. Wir helfen dabei gerne mit.«
Herrmann setzte derweil seine persönlichen Denunziationen seit der Kündigung ungebrochen fort. Auf der Domplatte und im Internet verbreitete er ein Plakat, auf dem er Diana Siebert in fettgeschriebenen Lettern persönlich attackiert. Siebert, langjährige Geschäftsführerin der Kölner Grünen, gehörte zwei Jahre lang dem Vorstand der Alten Feuerwache an und hatte den Antrag auf Kündigung des Mietverhältnisses Herrmanns eingebracht. Politik war für Herrmann schon immer zuvörderst persönliche Denunziation.

Wie Herrmann einzuschätzen ist, sollte spätestens im April 2015 klar geworden sein. Damals warf er sich in einem Kölner Gerichtssaal auf den Boden und brüllte: »Ich werde weitermachen!«
Vorausgegangen war eine Verurteilung zu einer Bewährungsstrafe von 600 Euro. Tote, verstümmelte und verletzte Kinder hatte Herrmann in Großaufnahmen an der »Klagemauer« gezeigt. Darin sah das Gericht einen Verstoß gegen das Jugendschutzgesetz (Jungle World 16/2015). Weitergehende Urteile sind juristisch offenbar nicht möglich. Auch wenn mehrere Studien Herrmanns ausgeprägte Nähe zu antisemitischen Stereotypen und Diffamierungen belegten, so erscheinen diese weiterhin als nicht justiziabel. Herrmann verbreitete im Herzen Kölns weiterhin seine ermüdend-stereotype Hetze gegen Israel und Juden.
Doch seit der Kündigung durch die Alte Feuerwache sind die letzten Querfront-Reste um Walter Herrmann in Aufruhr. Geblieben ist ihm als Partner die sogenannte Kölner »Arbeiterfotografie«, ein sich fälschlich als links bezeichnender, letztlich aus zwei Personen bestehender Zusammenschluss, der 2012 durch die Teilnahme an einem »Staatsbesuch« beim damaligen iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad für Aufmerksamkeit sorgte. Weitere Teilnehmer dieser Querfront-Reise waren unter anderem Jürgen Elsässer und die Betreiber des islamistischen Internetportals »Muslimmarkt«. Politisch steht die »Arbeiterfotografie« rechts von Pro Köln. Hauptfokus ihrer Leidenschaften ist das Verbreiten von Websites über die angebliche Beteiligung des Mossad am Tod der Rechtspopulisten Jürgen Möllemann und Jörg Haider. Israel wird dort als zionistischer Apartheids- und Terrorstaat diffamiert.

Mächtig in die Öffentlichkeit drängt seit einem Jahr der gebürtige Iraner Reza Begi, der sich als Vertreter und Hauptunterstützer Herrmanns in Szene setzt. Auf langatmigen Youtube-Videos geriert er sich als naiv-gutgläubiger Kölner Taxifahrer, der sich »für den Weltfrieden« einsetze. Das kleine, von Feinden umgebene Israel ist für Begi die Wurzel allen Unfriedens in der Welt. In bester Wahnwichteltradition meldete er zu diesem Thema wiederholt »Friedenskundgebungen« an. Im Juni 2015 organisierte er ein Fotoshooting vor Herrmanns »Klagemauer«, bei dem er gemeinsam mit der früheren Pegida-Frontfrau Kathrin Oertel (die inzwischen ihr deutsches Herz für die Palästinenser entdeckt hat) und Herrmann posierte. Die drei treten seitdem auf Facebook als verschwörungstheoretisches Team in Erscheinung. Damit ist zusammengewachsen, was schon lange zusammengehört.
Am 7. November, als Reaktion auf Herrmanns Rauswurf aus der Feuerwache, meldete Begi auf der Kölner Domplatte eine »Friedenskundgebung« an. Die Schar der bundesweit zusammengetrommelten Teilnehmer war klein: 40 Anhänger versammelten sich, größtenteils Palästinenser. Der betagte Herrmann stand auf der Bühne und wurde von Begi als »Löwe von Köln« gefeiert – was angesichts des Erscheinungsbildes des 76jährigen unfreiwillig komisch wirkte. Herrmann gelang es nicht, auch nur einen zusammenhängenden Satz auf »seiner« Bühne von sich zu geben. In der Millionenstadt Köln hatte Reza Begi keinen einzigen anderen Redner finden können. So waren die anderen beiden Redner extra aus Berlin angereist: Evelyn Hecht-Galinski, die seit Jahren als Rednerin gegen Israel hetzt, und der bedrohlich wirkende palästinensische Kampfredner Fuad Afane. Trotz der zahlreich vertretenen und erkennbar besorgten Polizisten beleidigte er die wenigen proisraelischen Gegendemonstranten persönlich. Am Ende entriss er einer Gegendemonstrantin ihre Fahne und trampelte darauf herum.

Während Reza Begi sich bei seinen Auftritten um ein friedensbewegtes Image bemüht, erlegt er sich auf seiner Facebook-Seite keine taktische Zurückhaltung auf. So postete er Anfang vergangener Woche, die Welt solle sich, anstatt Iran zu sanktionieren, mit »dem Terrorstaat Israel« und dessen »Helfer Deutschland« beschäftigen, der Israel alle paar Monate ein mit deutschen Steuergeldern bezahltes U-Boot schenke. Weiter schrieb Begi wörtlich: »Die Halbjüdin und Faschistin Angela Merkel sollte sanktioniert oder gestürzt werden. Iran ist ein friedliches Land, FUCK U USA, FUCK U ISRAEL, FUCK U HURE ANGELA MERKEL.« Man darf gespannt sein, ob sich ein Staatsanwalt für dieses Posting interessieren wird.
Am 11. Januar veröffentlichten Herrmanns verbliebene Fans auf Facebook ein Foto: Herrmann auf einem Krankenhausbett sitzend, der beliebte Pfarrer Franz Meurer – der kürzlich noch mitteilte, dass er Herrmann persönlich verjagen werde, wenn dieser seine Hasstafeln vor Meurers Vingster Kirche aufbauen sollte – seinen Arm um den Schwerkranken legend. Versehen war das Bild mit dem Hinweis, dass Herrmann an Krebs erkrankt sei. »Das Projekt müsse Nachfolger finden«, lautete der Aufruf. Vier Tage später folgt der siegessichere Hinweis: »Kölner Klagemauer kommt wieder.«