Die Kontroverse über Flüchtlinge in einem Freiburger Club

Kein Club für Hasenfüße

Der Freiburger Club White Rabbit gilt als linksalternativ. Dennoch hat er einen antirassistischen Shitstorm entfacht.

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Seit vergangener Woche muss sich der Freiburger Club White Rabbit für seine Einlassregeln rechtfertigen. Ein Bericht der Badischen Zeitung mit dem Titel »Kein Zutritt mehr für Flüchtlinge in Freiburgs Clubs und Diskotheken« wurde europaweit beachtet. Dabei ist das White Rabbit ein linksalternativer Club, in dem Flüchtlinge bislang besonders willkommen waren. Nun steht das Betreiberkollektiv plötzlich im Verdacht, rassistisch zu sein.
Der Anlass war eine interne E-Mail, die ausschließlich an Veranstalter und Freunde des Clubs adressiert war. Darin baten die Verantwortlichen des White Rabbit um eine Diskussion drängender Probleme. Sie berichteten über vermehrte und schwerwiegende sexuelle Übergriffe auf Frauen, über Gewalt gegen das eigene Personal und eine größere Zahl an Diebstählen. Dafür sollten der E-Mail zufolge hauptsächlich Flüchtlinge verantwortlich sein. Bundesweit wurde aus dem Schriftstück der Satz zitiert: »Wir haben am Montag beschlossen, dass wir vorerst keine Menschen mehr in das White Rabbit reinlassen werden, die nur eine Aufenthaltsgestattung besitzen.« Was selten erwähnt wurde: Anschließend erläuterten die Betreiber des Clubs ein dauerhaftes Einlasskonzept. Sie wollten einen »obligatorischen Clubausweis« einführen, den auch Flüchtlinge sofort erwerben könnten. »Davor werden wir sie über unsere Grundsätze aufklären.«

Der Club geriet im linken Freiburger Milieu wegen der E-Mail schnell in die Kritik. Eine Gruppe namens »Kunst, Spektakel & Revolution« drohte dem White Rabbit auf Facebook mit »Abriss«. Sie hat dieses Posting in der Zwischenzeit wieder gelöscht, auf Nachfragen reagiert sie nicht. Unterdessen nahm auch die Badische Zeitung Notiz von der E-Mail und zitierte vor allem den Beschluss zur »Aufenthaltsgestattung«, obwohl er offenkundig nur als kurzfristige Notlösung vorgesehen war. Der antirassistische Shitstorm war nicht mehr aufzuhalten.
Das neue Einlasskonzept mit Clubausweisen diene dazu, mit Flüchtlingen in einen Dialog zu treten, betonte das White Rabbit in einer offiziellen Stellungnahme nochmals. Das passt durchaus zu dem Etablissement. Seit Jahren finden dort Veranstaltungen statt, in denen zur Solidarität mit Flüchtlingen aufgefordert und über Flucht­ursachen informiert wird. Auf der Website steht zurzeit sogar die naive Forderung, einen »Tunnel von Lesbos bis ins White Rabbit zu graben«. Doch das nützt offenbar nicht viel. Gleich daneben erscheinen Kommentare wie »Hoffentlich ertrinkt ihr in eurer eigenen braunen Soße«.
Wenn man berücksichtigt, dass Veranstalter und Freunde die politischen Veranstaltungen im Club kennen, entsteht der Eindruck, dass weniger die Einlassregeln des White Rabbit für Aufregung sorgen, als die anfänglich direkte Art, akute Probleme mit Flüchtlingen anzusprechen. Es mag die unausgesprochene Befürchtung bestehen, Rechten und Rechtsextremen in die Hände zu spielen.
Ganz in diesem Sinne bemüht sich das White Rabbit inzwischen um eine Abgrenzung von der Alternative für Deutschland (AfD). So werfen die Betreiber des Clubs der AfD Lörrach in einer Stellungnahme auf Facebook vor, den Fall zu instrumentalisieren. Der Ortsverein der Partei selbst nimmt das tatsächliche Einlasskonzept mit Clubausweisen nicht zur Kenntnis und wertet stattdessen die kurzfristige Notlösung als eine Art Maßnahme zum Schutz des deutschen Partyvolkes. Wohl ebenfalls aus Gründen solcher Abgrenzung vertritt der Club mittlerweile gegen seine bisherige Einsicht die gleichmacherische Position, dass »Sexismus Teil der Gesellschaft ist« und das »Problem schon immer da« war.

Das sehen auch andere so. Eine von Spiegel Online zur Sache befragte Freiburgerin etwa wollte kein besonderes Problem erkennen. Es sei schon vor 20 Jahren vorgekommen, dass man in Clubs »von besoffenen Deppen mit ihrer Erektion angetanzt« worden sei. Damals habe es sich eben um »deutsche Deppen« gehandelt. Die Idee des White Rabbit, durch die Ausgabe eines Clubausweises mit Flüchtlingen ins Gespräch über Grundsätze des Nachtlebens zu kommen, klingt da hilfreicher.