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Kongolesische Kontinuitäten
Kolonialismus. Viele Stücke aus dem Bestand des Brüsseler Königlichen Museums für Zentralafrika, das noch bis 2017 wegen Renovierung geschlossen ist, haben für die Zeit bis zur Wieder­eröffnung neue Heimstätten gefunden. In verschiedenen Pop-up-Ausstellungen werden die Exponate in neuem Kontext unter wechselnden Gesichtspunkten an verschiedenen Orten weltweit gezeigt. Die letzte und größte Ausstellung der Reihe eröffnete vergangene Woche im Bozar, dem Museum der schönen Künste in Brüssel. Gezeigt werden 82 ausgewählte Bilder aus einer Sammlung moderner kongolesischer Kunst ­neben älteren Objekten aus dem Museumsbestand. Bislang, so die Kura­torin Bambi Ceuppens, werde in der Kunstgeschichtsschreibung stets zwischen traditioneller und kolonialer Kunst unterschieden, ohne die Kontinuitäten zwischen den beiden Epochen zu berücksichtigen, die sich zum Teil überschneiden. Die Schau solle daher vor allem zeigen, dass der Kolonialismus die Kontinuitäten in der kongolesischen Kunst nicht ausgelöscht hat, und so auch den Blick auf die Geschichte der kongolesischen Malerei dekolonialisieren. hau
Ein komischer Vogel
Hieronymus Bosch. Man kann es als einen auf Jahrtausende angelegten künstlerischen Rorschachtest betrachten. Seit mehr als 500 Jahren versuchen die Menschen, Boschs komplexe Bildsprache zu entschlüsseln. Vermutlich wird das nie ganz gelingen und oft sagen die Versuche wohl mehr über die Interpreten aus als über Bosch. Alchemistische Zeichen? Verborgene häretische Botschaften? Halluzinogene? Symbolisierung von Sprichwörtern? Überzeugend ist das alles nicht, wenn man zum Beispiel auf dem Triptychon »Die Versuchung des heiligen Antonius« das Wesen mit dem Vogelschnabel und den Hundeohren betrachtet, das auf menschlichen Beinen Schlittschuh läuft und ­einem Mönch einen Brief überbringt. Nun, zu überbringen scheint, vielleicht hat es auch ganz etwas anderes vor. Dem von Jef Claerhout gestalteten Papageno, dem Vogelfänger aus ­Mozarts »Zauberflöte«, der als Statue vor dem Stadttheater in Brügge steht, ist es übrigens gelungen, diese Kreatur Boschs zu fangen. Was wohl in dem Brief steht? js
Der gesegnete Kelch
Trappistenbier. Bei aller Liebe zur Blasphemie sollten auch Atheisten so fair sein, Früchte des Glaubenseifers zu loben, wenn sie der Menschheit zum Nutzen gereichen. Trotz ihrer sieben täglichen Stundengebete finden die Trappistenmönche genug Zeit, leckeres Bier zu brauen. Da die Produktionskapazität der Klöster begrenzt ist (die Konsumkapazität auch, die Mönche dürfen nur ein Bier pro Tag trinken), sind diese Biere außerhalb Belgiens selten erhältlich. Wenn man ein solches Bier trinkt, setzt man nicht einfach die Flasche an die Lippen. Es wird im Kelch serviert. Einige Zutaten entsprechen nicht dem deutschen Reinheitsgebot, aber hier findet kein Hipster-Gepansche statt. Die Arbeit der Mönche, folglich auch das Brauen, dient der höheren Ehre Gottes, deshalb wäre es Blasphemie, ein schlechtes Bier zu verkaufen. Dennoch ist eine gewisse Vorsicht geboten, da der Alkoholgehalt den gewöhnlicher Biere meist erheblich übersteigt. Versuchen Sie nicht, alle Sorten an einem Abend zu probieren! js