»Arschlöcher rausschmeißen«

Das linke Kulturzentrum Conne Island in Leipzig thematisierte in einer vor zwei Wochen veröffentlichten Stellungnahme übergriffiges und gewalttätiges Verhalten durch Gruppen männlicher Flüchtlinge, das so stark zugenommen habe, dass das Kulturzentrum teilweise überfordert sei. Der Text wird kontrovers diskutiert, einige Linke werfen dem Zentrum Rassismus vor, Rechte sehen sich in ihrem Rassismus bestätigt. Die Jungle World sprach mit Tanja Rußack, der Geschäftsführerin des Conne Island.

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Wie kam es zu der Entscheidung, die Probleme öffentlich zu machen, und was erhoffen Sie sich davon?
Das Conne Island gibt es seit 25 Jahren als politischen Laden, seitdem haben wir vielfältige antirassistische Projekte für und mit Geflüchteten durchgeführt. Seit letzten Sommer haben wir diese nochmals intensiviert, dazu gehörte auch ein Soli-Eintrittspreis von 50 Cent. Zugleich aber traten vermehrt Probleme auf, besonders wegen sexistischen Verhaltens von Männern aus Refugee-Kreisen, verbunden mit einem krassen Gewaltpotential, was sich durch ­unsere bisherige Türpolitik, also zum Beispiel mit einem bloßen Rausschmiss, nicht mehr handhaben ließ. Nach einem Jahr interner Diskussionen und verschiedener Lösungsversuche haben wir uns entschieden, das Thema öffentlich zu machen, um gemeinsam zu diskutieren, wie man damit umgehen kann – wie wir das auch sonst mit Problemen bei uns im Haus machen. Wir wollten also auf dieses Problem aufmerksam machen und zeigen, dass wir nicht zweierlei Maß bei unserern Hausregeln ansetzen. Und vor allem wollten wir den Besucherinnen unsere Unterstützung signalisieren und zeigen, dass wir uns damit auseinandersetzen.
Hat Sie die bundesweite Aufmerksamkeit für den Text überrascht?
Auf jeden Fall. Das war auch nicht unsere Intention, vielleicht waren wir da etwas naiv. Wir dachten, das wäre eher ein Szenepapier, was hier im Laden und in Gruppen der Stadt diskutiert wird, so wie die anderen Texte, die wir in den letzten Jahren auch zum Thema Sexismus veröffentlicht haben. Dass nur dieser Text nun auf so großes Interesse stößt, zeigt zugleich, dass es den meisten weniger um den Inhalt, also das Sexismusproblem geht als darum, Stimmung gegen Geflüchtete zu machen.
Beatrix von Storch (AfD) teilte die Stellungnahme unter der Überschrift »Kapitulationserklärung eines linksgrünversifften Refugees-Welcome-Jugendzentrums«. Bereuen Sie den Brief?
Nein. Der Text hat sicher ein paar Leerstellen und hätten wir geahnt, was er für Wellen schlägt, hätten wir uns stellenweise deutlicher ausgedrückt und manches mehr erklärt. Etwa, dass wir uns schon immer mit Sexismus auseinandersetzen, nicht erst in Zusammenhang mit Geflüchteten. Aber wir sind ein offener Laden, der Probleme auch stets offen diskutiert hat. Aus Angst, den falschen Leuten Argumente zu liefern, die Füße still zu halten und Probleme totzuschweigen, wäre fatal, gerade gegenüber den Betroffenen. Und das Problem, das steht deutlich in dem Text, sind nicht Geflüchtete, sondern ist Sexismus.
Manche Linke werfen euch Rassismus und Zusammenarbeit mit der Polizei vor. Haben Sie mit diesen Reaktionen gerechnet?
Man kann es nie allen recht machen, darum geht es uns auch nicht. Wir fordern eine Auseinandersetzung mit dem Thema ein und sind dabei auch offen für Kritik an unserem Text und unserer Herangehensweise. Wir waren noch nie Freunde eines Wohlfühlkonsenses, haben also schon immer auch strittige Themen angesprochen und sind damit auch schon oft in der Szene angeeckt. Das ist für uns okay. Es gab aber auch viel positives Feedback.
Mit dem Text werden die angesprochenen Probleme nicht aufhören. Wie geht es weiter?
Wir wollten eine Diskussion entfachen. Wichtig ist es nun, gemeinsam nach vorne zu schauen, wie es weitergehen kann, und sich nicht daran abzuarbeiten, was alles falsch gemacht wurde. Wir hoffen nun, gemeinschaftlich Lösungen zu erarbeiten, auch gemeinsam mit den Geflüchteten, die ebenso genervt sind von diesen Verhaltensweisen. Und im besten Fall schmeißt man dann zukünftig mit ihnen zusammen die Arschlöcher raus, ganz egal, woher sie kommen.