Berlin Beatet Bestes. Folge 361.

An mir beißt sich der Kapitalist die Zähne aus

Berlin Beatet Bestes. Folge 361. Über Musikdiebe.

Anzeige

Seit ich wieder regelmäßiger blogge, schnellen meine Zugriffszahlen nach oben. Es scheint egal zu sein, was ich poste. Hauptsache, ich blogge regelmäßig. Dabei gebe ich mir zwar Mühe, nicht nur unhörbare Titel zu posten, aber »gute« Musik ist es natürlich trotzdem nicht. Davon, gute Musik zu veröffentlichen, habe ich mich schon 2012 verabschiedet, als das große Musikblog-Sterben einsetzte. Viele Musikblogger verloren den Spaß an der Sache, als mit dem Untergang von Kim Dotcoms Megaupload auch die Dateien ihrer Blogs verschwanden und zugleich immer mehr Blogbetreiber wegen Verletzung von Urheberrechten verklagt wurden. Damals entschied ich mich, nur noch Platten zu posten, die seit Jahrzehnten nicht wiederveröffentlicht wurden, die nicht digital vorliegen und von Künstlern aufgenommen wurden, die entweder anonym, tot oder nicht mehr aktiv sind. Ich besitze Tausende Singles, die nie auf CD wiederveröffentlicht wurden und nicht bei Youtube, Spotify, I-Tunes oder Amazon zu finden sind. Dieses Material existiert digital nicht. Ich könnte genauso gut behaupten, ich hätte mir die Platten ausgedacht, die Musik selbst eingespielt und die Cover mit Photoshop zusammengebastelt. Mein »Berlin Beatet Bestes«-Material – Privatpressungen, Billiglabel, Werbeschallplatten und Flexidiscs – ist selbst für Hardcore-Retroplattenlabel wie Bear Family Records kommerziell uninteressant. Deshalb ist diese Musik noch nicht schlecht, aber sie gilt eben definitiv nicht als »gute Musik«. Mit dieser Veröffent­lichungspolitik bin ich bisher gut gefahren. Klagen gab’s noch nie.
Mittlerweile kann es Musikbloggern aber auch ganz anders ergehen. Sie werden nicht mehr verfolgt, sondern ausgebeutet. Ende September fand der Blogbetreiber Be Bop Wino heraus, dass eine ganze Reihe seiner sorgfältig editierten Rhythm & Blues-Compilations ohne sein Wissen im Internet kommerziell angeboten werden. Be Bop Wino besitzt keine Urheberrechte an diesen Titeln. Aber diese Anbieter natürlich erst recht nicht. Die klauben sich bei diversen Blogs einfach kostenlos Material zusammen, behaupten, sie besäßen das Copyright, und bieten die Songs und Alben bei Spotify und I-Tunes zum Kauf an. Echt fies, diese Kapitalisten. Vielleicht finden die ja bald mein Blog! Ich wette, die schaffen es nie, meine Schrottmusik zu verhökern.
Mein Name ist Andreas Michalke. Ich zeichne den Comic »Bigbeatland« und sammle Platten aus allen Perioden der Pop- und Rockmusik. Auf meinem Blog Berlin Beatet Bestes (http://mischalke04.wordpress.com) stelle ich Platten vor, die ich billig auf Flohmärkten gekauft habe.