Ein lupenreiner Sozialdemokrat

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Wie man als ehemaliger Bundeskanzler in Würde altern kann, hat Helmut Schmidt gezeigt: Man gebe schmauchend den elder statesman. Für Gerhard Schröder aber kam das nicht in Frage. Kaum war Angela Merkel im November 2005 zur Bundeskanzlerin gewählt worden, schloss er einen »Beratervertrag« mit der Ringier AG ab, und noch vor dem Ende des Jahres wurde bekannt, dass er Vorsitzender des Aktionärsausschusses der Nord Stream AG werden würde, die zu 51 Prozent dem Erdgaskonzern Gazprom gehört, an dem der russische Staat die Aktienmehrheit hält. Es war keine Überraschung, dass der »Genosse der Bosse« seine politischen Kontakte verkauft. Doch trotz der Globalisierung ist es ungewöhnlich, dass ein ehemaliger Regierungschef in den Dienst eines anderen Staates tritt.

Nun gab der russische Ministerpräsident Dmitrij Medwedjew bekannt, dass Schröder in den Aufsichtsrat des Ölkonzerns Rosneft berufen werden soll, der seine Existenz der Enteignung und Inhaftierung des Oligarchen Michail Chodorkowski verdankt und sich nun des Konkurrenzunternehmens Sistema bemächtigen will. Hatten die Nord-Stream-Pipelines noch die Unterstützung der großen Koalition, so dass Schröder als ideeller Gesamtlobbyist der deutschen Energiepolitik gelten konnte, ist sein neues Engagement der SPD nun doch ein wenig peinlich. Schröder hingegen spricht von einer »privaten Entscheidung«, die aber selbstverständlich im Interesse von Nation und Weltfrieden liegt: »Ich bin der Auffassung, dass die Integration Russlands in die Weltwirtschaft und die Integration der Energiewirtschaft Russlands von großer Bedeutung sind. Zudem hat Rosneft erheb­liche Interessen in Deutschland, speziell im Osten.« Er wolle ganz privat seinen »bescheidenen Beitrag leisten«, um das Verhältnis zwischen der EU und Russland zu verbessern. Es ist zu befürchten, dass es Schröder tatsächlich nicht nur um das Geld geht, obwohl 500 000 US-Dollar für vier Sitzungen im Jahr und wohl ein paar Telefonate sowie Propagandaauftritte ein hübsches Salär sind. Wie stark Schröder mit dem autoritären Herrschaftsmodell Wladimir Putins sympathisiert und ob die Abneigung gegen die USA eine Rolle spielt, ist nicht bekannt. Es kann ihm aber schwerlich entgangen sein, dass er die Abhängigkeit Europas von rus­sischen Energielieferungen fördert und damit auch Putin stärkt.