Das Medium

Alles sowas von absehbar

Das Medium Von Elke Wittich
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MediumNun dauert es nicht mehr lange, es wird gewählt. Oder nicht gewählt, je nachdem. Und dann geht alles, wie immer, seinen Gang: Das heißt, nach immensem Freudengetaumel und vielen blutrünstigen, orthographisch nicht immer akkurat verfassten Phantasien über Schnellgerichte, an Laternen baumelnde Andersalssiedenkende und die Neuordnung der Republik geht der gemeine AfD-Fan ins Bett. Und wacht am nächsten Morgen auf und immer noch ist auf der Mailbox keine Anfrage, ob er nicht gern Bundeskanzler oder Volksgerichtshofvorsitzender oder Chefkommentator bei einer der über Nacht von Wutbürgern übernommenen Lügenpresse-Zeitungen werden möchte.

Bei der blauen Partei wird nach immensem Freudengetaumel dann demnächst in den Bundestag eingezogen und erklärt, dass nun aber alles sowas von anders wird. Und dann sitzen die Abgeordneten dieser Partei im Parlament und tun das, was Abgeordnete ­solcher Parteien immer machen. In etwa drei Monaten verursacht der erste einen ausgemachten Nazi-Skandal, was dazu führt, dass diejenigen seiner AfD-Kollegen, die immer fest daran geglaubt haben, dass man nur ein bisschen konservativ und bürgerlich besorgt sei, sehr enttäuscht sind und zur CDU wechseln. Die Verbliebenen verkrachen sich, einer wird mit Kinderpornos oder bei einer Betrügerei erwischt, ein anderer hält betrunken eine selbst für AfD-Verhältnisse äußerst peinliche Rede und noch ein anderer kommt nicht mehr, weil es zu Hause doch viel gemütlicher ist als in der Opposition, und so weiter. Und dann wird auch schon wieder gewählt, nur halt die AfD nicht mehr, sondern eine andere unangenehme Partei. Wie immer halt.