Natalja Kasperskaja hat Angst vor Spionage durch die USA

Spy vs. Spy

Porträt Von Tobias Maier
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Die Trennung war nicht einvernehmlich. Vergangene Woche kündete die US-Regierung an, die Nutzung von Antivirenprogrammen des russischen Softwareunternehmens Kaspersky zu beenden. Sie befürchtete Spionage für Russland und die Gefährdung der nati­onalen Sicherheit der USA. Chef der Firma ist ­Jewgenij Kasperskij, der seine Karriere einst in Russland beim militärischen Institut für Strategie und Spionage begann. Er bestreitet die Vorwürfe.
Bereits früher von Kasperskij getrennt hatte sich Natalja Kasperskaja, die gemeinsam mit ihm das Unternehmen Kaspersky Lab 1997 gegründet hatte. Ihre IT-Karriere begann sie mit 28 Jahren als Verkäuferin in einem Geschäft für Software und Zubehör. Mittlerweile gehört sie mit einem geschätzten Vermögen von über 200 Millionen US-Dollar zu den zehn reichsten Frauen Russlands. Nach ihrer Scheidung von Kasperskij 2007 ließ sie sich ihren Anteil am Firmenkapital auszahlen und investierte ihr Geld in die IT-Branche, unter anderem in Infowatch, einen Anbieter von Sicherheitssoftware, und ist heute Geschäftsführerin der Firma.
Zur Scheidung von Jewgenij Kasperskij sollen »ideologische Differenzen« beigetragen haben, dem Neuen Deutschland zufolge soll es um die Kooperation mit russischen Geheimdiensten gegangen sein. Mit Spionage an sich hat Kasperskaja offenbar kein Problem. Eine Kernkompetenz von Infowatch ist die Entwicklung und der Vertrieb von Software, die Firmen hilft, ihre Mitarbeiter auszuspionieren. Kasperskaja ist mit der russischen Führung bestens vernetzt: Sie ist Mitglied des Expertenrats für russische Software beim Ministerium für Kommunikation, außerdem leitete sie im Auftrag des Bildungs- und Wissenschaftsministeriums eine ­Arbeitsgruppe für IT-Technologien. Sie sprach sich gegenüber Präsident Wladimir Putin für eine Verschärfung der Internetregulierung aus. Unter anderem befürwortet sie das Blockieren unerwünschter Internetseiten. Außerdem sieht sie in der Vorherrschaft US-amerikanischer Softwareunternehmen eine Bedrohung für ­russische Sicherheitsinteressen. Über diese Konzerne hätten die US-Geheimdienste Zugang zu sensiblen Daten, das Risiko für Virenangriffe und andere Sabotage­aktionen steige. Russland solle sich daher bemühen, importierte US-Software durch russische zu ersetzen.