Noa Jansma und das catcalling

Spießrutenlauf

Porträt Von
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Wie viele andere Frauen sah sich Noa Jansma auf der Straße immer wieder mit lästige Anmache konfrontiert. Sie beschloss, sich öffentlich zu wehren. Einen Monat lang, von August bis September, fotografierte sie sich und die Männer, die sie belästigten, mit ihrem Mobiltelefon und stellte die Bilder auf Instagram, versehen mit dem Hashtag #dearcatcallers. Im Zuge dieses Projekts veröffentlichte die 20jährige Studentin aus Amsterdam 30 Selfies, auf denen sie im ­Vordergrund mit ernster Miene in die Kamera blickt, während im Hintergrund grinsende Männer posieren. Deren Posen erinnern an solche auf Partyfotos und zeigen eine teils komisch wirkende Lässigkeit der belästigenden Männer, die sich inszenieren, als sei sogenanntes catcalling völlig selbstverständlich. Tatsächlich sind anzügliche Bemerkungen, Pfiffe, Blicke und Gesten von Männern auf ­offener Straße für viele Frauen Alltag. »Es ist doch merkwürdig, dass die Hälfte der Menschheit sich täglich damit beschäftigen muss, während die andere Hälfte nicht einmal weiß, dass es so etwas gibt«, sagte Jansma dazu in einem Interview mit BBC.

Ihre Thematisierung des catcalling war nicht die erste, die im Internet ein größeres Publikum erreichte. Das Video »10 Hours of Walking in NYC as a Woman« mit der Schauspielerin Shoshana Roberts von 2014 beispielsweise bekam über 45 Millionen Klicks auf Youtube. Damit kann Jansmas Projekt nicht mithalten, doch 45 000 Menschen folgen der Niederländerin mittlerweile auf Instagram und viele große Zeitungen berichteten über die eindrückliche Fotoserie. In den Niederlanden soll ab dem 1. Januar 2018 ein Gesetz gelten, das »obszöne Gesten, Belästigung und Einschüchterung« im öffentlichen Raum verbietet, wie es Parlamentsmitglied Ahmed Marcouch von der Partei der Arbeit ausdrückte. Längst nicht alle von Jansma dokumentierten Anmachen wären dann strafbar, sondern nur solche, die Frauen bedrohen oder einschüchtern. Pfeifen und Rufe wie »Baby, Baby!« würden wohl nicht bestraft. Bei der Ansage »Ich weiß, was ich mit dir tun würde!« könnte es anders aussehen.