Feiertage statt Faschismus!

Mehr drunter als drüber

Sekt und Sozialismus Von

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Es gibt Tage, da ist es schwer, überhaupt zu filtern, worüber es zu schreiben lohnt. Wenn alles durchein­andergeht und die Ereignisse in kleinen Dosen hier und da passieren und eskalieren. Es könnte hier um die Frankfurter Buchmesse gehen und darum, wie Rechte und Neonazis sich da breit gemacht haben, wie die Messeführung konsequent mit Kapitalismus argumentiert und eindrucksvoll zeigt, dass Kapitalismus und Faschismus eben doch gut miteinander können. Oder es könnte darum gehen, dass die neuen faschistischen Bewegungen auf Beige und Pastellfarben setzen, auf Golfhose und Polohemd, Farben und Formen, die Legitimation vermitteln sollen. Wie es eine Freundin einmal ausdrückte: »Lachsfarben ist das neue Purpur.« Auch Niedersachsen hätte nach der Wahl eine ganze Kolumne verdient. Die Bundestagswahl wäre dann noch zu kommentieren.

Und natürlich würde ich gerne über Harvey Weinstein schreiben und die Lawine, die sein Fall ausgelöst hat. All die Arbeit gegen sexualisierte Gewalt; die Tatsache, dass mehr Frauen wichtige Positionen bekleiden und auch richtig Geld machen können (Stichwort: Wonder Woman) – all das hat es tatsächlich ermöglicht, diesen sexuell missbrauchenden Widerling in die Schranken zu weisen. Der Umgang mit dem Fall Weinstein macht Mut, er zeigt, wie es Gwyneth Paltrow ausdrückte: »Diese Art, Frauen zu behandeln, endet jetzt.«
Ich könnte auch Seiten vollschreiben über die Brillanz der Fernsehserie »Designated Survivor« und darüber, dass ein Teil von mir sie doch nur ­wegen der Romantik guckt.

Doch keine Debatte hat mich in den vergangenen Tagen so fassungslos ­gemacht wie die über einen muslimischen Feiertag. Es ist bekannt, dass viele Menschen Streiks falsch finden, die von ihnen profitieren würden. Denn mehr Streik führt tatsächlich zu mehr Lohn. Selbstverständlich hat es einen Grund, dass ein Generalstreik in Deutschland verboten ist: weil er effektiv ist. Bekannt ist auch, dass Lohnabhängige gerne in einer Art Stockholm-Syndrom das Kapital verteidigen, immer in der vagen Hoffnung, belohnt beziehungsweise verschont zu werden – mit dem Argument: »Ohne Wirtschaft ist alles nichts.«

Nun hat Innenminister Thomas de Maizière (CDU) einen muslimischen Feiertag vorgeschlagen. Die Gründe mögen zweifelhaft sein. Aber statt den zusätzlichen Feiertag einzufordern, wird der Vorschlag selbst von seiner eigenen Partei abgelehnt, weil, ja, äh, muslimisch halt. Ein zusätzlicher Feiertag, ohne Arbeit oder mit mehr Bezahlung wegen Feiertagszuschuss, wird aus Sorge um die »christliche Kultur« und vermutlich auch um das Kapital abgelehnt. Wenn es so weit ist, dass Menschen freiwillig lieber Lohnarbeit verrichten, anstatt den Tag mit Angenehmerem zu verbringen, kann man nur noch sagen: Ganz schön durcheinander, dieses Deutschland.