Porträt: Francisco Everardo Oliveira Silva, brasilianischer Abgeordnete

Realsatire

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Richtig ernsthaft hätte er dort vermutlich nicht immer sein müssen, wie die Debattenbeiträge mancher ­Kollegen zeigen. Doch könnte es ihm im Parlament schlicht an Publikum gemangelt haben. Der brasilia­nische Abgeordnete Francisco Everardo Oliveira Silva hat vergangene Woche angekündigt, sich aus der ­Politik zu verabschieden. Stattdessen wolle er sich wieder seinem eigentlichen Beruf widmen, bekannt ist er nämlich vor allem als der Clown Tiririca. »Angesichts dessen, was ich in den sieben Jahr hier gesehen habe, gehe ich zutiefst beschämt«, begründete er seinen Rücktritt. Gegen mehr als die Hälfte der Kongressabgeordneten laufen Ermittlungen, meist wegen Korruption, oder sie wurden bereits verurteilt. Zudem erscheinen die meisten nicht zu den Sitzungen. Nur acht der 513 Abgeordneten seien oft anwesend gewesen, so Silva. Er habe in seiner Zeit als Abgeordneter nicht viel erreicht, gab er zu, aber »zumindest habe ich getan, wofür ich bezahlt werde: hier zu sein und im Sinne der Bevölkerung abzustimmen«. Einer Erhebung von 2016 zufolge ist Silva einer von nur drei Abgeordneten, die seit 2010 in keiner Sitzung gefehlt hatten.
Silva hatte 2010 für die Partei der Republik (PR) kandidiert, zunächst aus Jux und Eigenwerbung. »Weißt du, was ein Bundesabgeordneter macht? Ich auch nicht. Wähl’ mich und ich erzähl’s dir«, versprach er im Wahlkampf und warb mit dem Slogan »Schlimmer als jetzt wird’s nicht«.

Überraschenderweise erhielt er bei den Wahlen mit über 1,3 Millionen die meisten Stimmen aller Kandidaten, bei seiner Wiederwahl 2014 waren es die zweitmeisten Stimmen. Silva kommt aus eher armen Verhältnissen im Nordosten Brasiliens und arbeitete bereits als Kind im Zirkus. Als Tiririca hatte er später enormen Erfolg. Seine Blödeleien als Clown mit blonder Perücke und Sprachfehler waren des Öfteren daneben. So handelte er sich für sein Lied »Schau dir ihre Haare an« von 1997, in dem er die Frisur einer Schwarzen mit Stahlwolle vergleicht und sich über ihren Gestank beschwert, eine Anklage wegen Rassismus ein. Im Kongress wurde er von anderen Abgeordneten wegen seines Berufs und als angeblicher Analphabet angefeindet. 2016 stimmte er für das Amtsenthebungsverfahren gegen Dilma Rousseff, unterstützte dieses Jahr aber auch die Ermittlungen gegen den amtierenden Präsidenten Michel Temer.