Das Medium - Norwegen im Glückstaumel

Norwegisches Gold

Kolumne Von

Gerade nochmal gut gegangen – im inoffiziellen Abschlusswettbewerb der Olympischen Winterspiele, dem finalen Medaillenzählen, belegte Deutschland doch nur Platz zwei.

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Hinter Norwegen, wo man sich ohnehin schon fast seit Beginn der »OL«, (olympiske lekene, zu deutsch: Olympische Spiele) im Glückstaumel befindet. Und das nicht, weil man Allererster geworden ist, sondern weil das kleine Land dem großen Nachbarn Schweden »einen historischen Knock-out« verpasst hat, wie es die eigentlich seriöse Tageszeitung Aftenposten formulierte. Wie bei eigentlich allen anderen Gelegenheiten, vom European Song Contest bis hin zu diversen Weltmeisterschaften, ist es von unerhörter Wichtigkeit, den anderen zu besiegen. In Schweden war man auch ziemlich optimistisch gewesen, den »söta bror«, den »süßen Bruder«, in jeder Wintersportart schlagen zu können, und hatte entsprechend große Töne gespuckt.

Nachdem sich abzeichnete, dass die norwegische Equipe besser als erwartet abschneiden würde, kamen die Schweden jedoch auf die rettende Idee: Ski fahren könne wirklich jeder, aber Gold im Eishockey zu gewinnen, das schaffe eben nur eine ausgesprochene Wintersportnation. Als dann die Tre Kronor ausgerechnet gegen Deutschland im Viertelfinale ausschied, wurde Eishockey umgehend zur unwichtigen Sportart erklärt.

In Norwegen war man zu diesem Zeitpunkt bereits damit ­beschäftigt, eine Nation von Gewinnern zu sein, und so rechnete man die Lieblingsstatistik aus, nämlich die der Einwohner pro Medaille. Dreitausendnochwas Norweger teilen sich demnach ein olympisches Edelmetall, und das war nicht nur ein Rekord für die Ewigkeit, sondern wurde auch noch besonders schön dadurch, dass die Schweden insgesamt bloß 13 Medaillen gewonnen hatten. Deutschland interessierte da niemanden.