Kritische Astrologie - Das Ultimatum und seine Macht über unser Leben

Kinder, wie die Zeit verstreicht

Kolumne Von

Es wird wieder etwas brenzliger in der Welt. Das merkt man nicht nur an Kriegsgetöse und Terror, sondern daran, dass in letzter Zeit so viele Ultimaten auslaufen. Eben erst hat Russland ein britisches Ultimatum verstreichen lassen, das eine Klärung in der unangenehmen Giftsache forderte; in Deutschland ignorierte Armin Laschet hingegen ein Ultimatum der Umwelthilfe, die Giftfreiheit der Luft in Nordrhein-Westfalen betreffend. Gut erinnerlich ist vielen auch noch Barack Obamas »rote Linie« in der Syrienpolitik; ein weiteres, unglückselig verstrichenes Ultimatum, das ruhig mal wieder neu ausgesprochen werden könnte.

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Im Altertum war die Sache noch gut geregelt: »Ultima Thule« begrenzte die Welt im Norden, weiter wollte man auch aus klimatischen Gründen nicht vorrücken. Ebenso geachtet wurden Ultimaten auch in zeitlicher Hinsicht: Vulnerant omnia, ultima necat, alle Stunden schaden dir, das Ultimatum aber tötet dich. Daran konnte sich jeder orientieren – es war damals halt noch alles etwas ein­facher.

Heute hingegen werden Ultimaten nurmehr ausgesprochen, um der Zeit bis zu ihrem unvermeidlichen Verstreichen ein wenig Würze zu verleihen. Das weiß auch die deutsche Umwelthilfe, die deswegen sogleich mit einem neuen Ultimatum nachlegte und das Altultimatum um 26 Stunden verlängerte. Bei den Briten konterte der Kreml clever mit einem Gegenultimatum zur Auslieferung der Giftproben, auch dieses dürfte inzwischen ausgelaufen und durch ein neues ersetzt worden sein. Sehr viel drängender ist das Ultimatum, das uns die Wissenschaftler setzen, welche die »Doomsday Clock« betreuen – einen Mechanismus, der die Zeit bis zur atomaren Vernichtung der Welt misst. Mittlerweile steht sie auf zwei Minuten vor zwölf, was natürlich Grund zur Besorgnis geben könnte, stünde sie nicht schon seit Anfang des Jahres so. Traditionell ignoriert die Uhr auch die Sommerzeit, nach der wir bereits 58 Minuten nach dem Weltuntergang leben, wofür eigentlich auch recht viel spricht. Bis hier Einigkeit erzielt wird, müssen wir uns eben mit Vorletztem zufrieden geben.