Laborbericht - Der Müll, das All und kein Tod

Feuerkugeln aus Müll

Kolumne Von

Wie aus den Publikationen von René Goscinny und anderen ­bekannt ist, fürchteten schon die alten Gallier, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fallen könnte. Nun war es zwar nicht gleich der ganze Himmel, aber immerhin ­sorgte die chinesische Raumstation Tiangong-1 – auf Deutsch also der »Himmelspalast Nummer eins« – an Ostern mit ihrem Sturz zur Erde für aufgeregte bis alarmistische Schlagzeilen. Deutschland gehörte allerdings nicht einmal zum potentiellen Absturzgebiet, so dass sich etwa die Welt schon bemühen musste, mit Formulierungen wie »knallt ungebremst und un­kontrolliert auf die Erde« und »könnte Europa treffen« für die Panikstimmung zu sorgen, die in manchen Redaktionen offenbar für Meldungen aus dem Weltraum vorgeschrieben ist.

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Das ausgediente Raumlabor beziehungsweise das, was nach einem feurigen Sturz durch die Atmosphäre davon übrig war, ging schließlich über dem Südpazifik nieder. Ein solcher unkontrollierter Absturz ist kein unübliches Ende für Trümmer aus dem Orbit, etwa 70 bis 80 Tonnen Raumfahrtschrott ­fallen jedes Jahr vom Himmel. Da die Erdoberfläche zum größten Teil von Ozeanen bedeckt ist und auch der Rest noch immer große dünnbesiedelte Landstriche aufweist, sind Zwischenfälle allerdings selten: Der einzige Mensch, der bisher jemals von Weltraumtrümmern getroffen wurde, war im Jahr 1997 eine Frau in Oklahoma, die ihre Begegnung mit dem faustgroßen Überrest eines Raketenstarts unverletzt überstand; menschenleer war hingegen die Region im Norden Kanadas, über der 1978 der atomgetrie­bene sowjetische Satellit Kosmos 954 abstürzte, was zwar einerseits hieß, dass sich die Gefahr für Menschen in Grenzen hielt, andererseits aber die Suchaktion nach radioaktiven Trümmern erschwerte, für die die UdSSR letztlich drei Millionen kanadische Dollar zahlte.

Kontrolliert durchgeführt, ist die »Feuerbestattung« in der Atmosphäre übrigens die gängige Methode, nicht mehr benötigte Satelliten und Raumvehikel zu entsorgen: So beschreiten etwa auch die unbemannten Progress-Raumfrachter diesen letzten Weg, wenn sie ihre Ladung auf der Internationalen Raumstation ISS abgeliefert haben und als Mülllaster wieder ­zurückgeschickt werden. Wer sich beim Anblick einer Sternschnuppe etwas wünscht, sollte also bedenken, dass er seine Hoffnungen möglicherweise auf verglühende Astronautenfäkalien und sonstige Abfälle richtet.