Platte Buch - The Damned: Evil Spirits

Böse Geister

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Episch der Sound, zornig der Chor, mitreißend die Bassline: So beginnt das Album »Evil Spirits« von The Damned. »Standing on the Edge of Tomorrow« ist psychedelisch, garagig und erzählt die Geschichte von einer Welt, die besessen ist vom »Selbst«. Das elfte Studioalbum der Punkband erscheint dank einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne und ist eine Reaktion auf den heutigen Wahnsinn: »CCTV, Lauschangriffe, Überwachung, elektronisches Geld, Drohnen: Ein Zukunfts-Albtraum«, wie Gitarrist Raymond Ian Burns, genannt »Captain Sensible«, es im Gespräch mit der Jungle World ausdrückt.

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Neben technologischen Gefahren geht es auch um das Geheimnis von Walen und Delphinen, die sich an den Stränden der Welt niederlegen und verenden. »Was treibt sie an, Suizid zu begehen?« fragt sich Burns und geht diesem Phänomen auf dem zwischen Garage und Psychedelic schwingenden Song »Sonar Deceit« nach. Die polemischen Salven des Sängers Dave Vanian wurden herausgekitzelt vom ehemaligen Bowie-Produzenten Tony Visconti. »Tony hat Dave so brillant geführt, dass du die Wut in der Stimme hören kannst, ohne dabei die Melodie zu verlieren«, so Burns anerkennend.

Die zehn Songs sind bis zur letzten der insgesamt 43 Minuten gefüllt mit Referenzen und Einflüssen. Burns erinnert sich: »In den Sechzigern konnte ich mir als Schuljunge durchs Austragen von Zeitungen alle paar Wochen eine Single leisten. Ich liebe diese Platten immer noch.« Und so finden sich die Rolling Stones und The Who in »Evil Spirits« und The Kinks in »Daily Liar« wieder.
Unabhängig voneinander schrieben The Damned an dem Album, um sich dann für eine zweiwöchige Session im Atomic Sound Studio in Brooklyn zu treffen. Und dort ist »alles zusammengekommen, wurde aufgeräumt und der Damned-Sound entstand.« Das fertige Produkt könnte man als ein Konzept­album verstehen, doch am Ende ist es, so Burns, »mehr eine Best-of-Singles-Compilation.«


The Damned: Evil Spirits (Spinefarm Records)

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