Small Talk mit Elmar Wigand von der Aktion Arbeitsunrecht zum »Schwarzen Freitag« bei der Handelskette Real

»Auf einen Kursverlust der Real-Aktie wetten«

Der Freitag, der 13. Juli, soll für die Einzelhandelskette Real ein »Schwarzer Freitag« werden. Unter diesem Motto will die »Aktion Arbeitsunrecht« vor Real-Märkten gegen die Praktiken der Unternehmensleitung protestieren. Elmar Wigand, der Sprecher des Vereins, hat mit der Jungle World gesprochen.

Was wirft die Aktion Arbeitsunrecht der Unternehmensleitung von Real vor?
Die Lage im Einzelhandel ist bei vielen Ketten schlecht. Real beziehungsweise die Metro AG, zu der die Real-Märkte gehören, tut sich besonders durch die exzessive Nutzung von Leiharbeit und Werkverträgen hervor. Sogar Kassiererinnen und Kassierer sowie beratendes Personal sind davon betroffen, nicht nur, wie in der Branche üblich, Regaleinräumer. Real benutzt also auch im Kernbereich schon Leiharbeit. Besonders dreist ist die Umgehung der Equal-Pay-Vorschriften in der Leiharbeit. Im vergangenen Jahr wurde das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz novelliert, seither muss Leiharbeitern nach neun Monaten Beschäftigung gleicher Lohn für gleiche Arbeit gezahlt werden. Real entlässt deshalb die Leute nach acht Monaten und stellt nur noch befristet für acht Monate ein. Die hohe Fluktuation wirkt sich auch auf das Binnenklima in den Läden aus. Die Kette wird so systematisch in den Keller gewirtschaftet. Es gibt bereits Gerüchte, wonach Real verkauft werden soll, etwa an Amazon.

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Auf wessen Beteiligung hoffen Sie am »Schwarzen Freitag«?
Wir sind eine Bürgerrechtsorganisation und fordern Arbeitsrechte als Menschenrechte ein. Alle können sich gern beteiligen. Es mobilisieren beispielsweise unsere Vereinsmitglieder, linke Gruppen und kritische Konsumenten.

Beteiligen sich auch Beschäftigte?
Die Beschäftigten sind häufig eingeschüchtert und haben Angst davor, eine Konfrontation mit ihrem Unternehmen einzugehen. Deshalb benötigen sie Unterstützung von außen. Es gibt aber ernstzunehmende Anzeichen für Streiks bei Real.

Wie soll der Protest aussehen?
Wir setzen auf die Taktik »Groß rauskommen mit kleinen Aktionen«. Diese Aktionen werden gleichzeitig an 18 Orten in ganz Deutschland stattfinden. Auf unserer Website arbeitsunrecht.de kann man sich Flugblätter herunterladen und sie dann vor oder in den Märkten verteilen oder in die Regale legen. In manchen Städten gibt es auch etwas größere Aktionen. In Bielefeld verteilen Leute Wasser und Brot als Pröbchen für die bevorstehende Altersarmut; bei Real gibt es ja auch viele Beschäftigte, die ihr Arbeitseinkommen mit Hartz IV aufstocken müssen. In Düsseldorf, wo auch die Firmenzentrale der Metro ist, wollen wir eine aus Unterschriftenlisten zusammengesetzte »Rote Karte« präsentieren. In einer von der Metro gesponserten Tonhalle der Stadt spielt am Freitag der Jazz-­Gitarrist Pat Metheny, wir wollen dem geneigten Publikum erklären, welcher Punk bei Real abläuft.

Wie haben Unternehmen in der Vergangenheit auf solche »Schwarzen Freitage« reagiert?
Wir veranstalten zum zweiten Mal einen »Schwarzen Freitag« bei einem börsennotierten Unternehmen. Ich werde auch dieses Mal den Aktienkurs studieren. Bei H&M hat unsere Aktion am 13. Oktober 2017 ­hervorragende Wirkung gezeigt. Analysten und Konsumenten haben recht sensibel reagiert, die Aktie brach ein, auch weil das Unternehmen noch anderweitig Pech hatte. Ich kann an dieser Stelle also den Tipp geben, auf einen Kursverlust der Real-Aktie zu wetten. Im Grunde betreiben wir eine Art Schwarzer Pädagogik, sie soll disziplinierende Wirkung haben und potentielle Nachahmer abschrecken. Wir lehren die Unternehmensleitungen das Fürchten und hoffen, dass sie zu einem zivilisierten Umgang mit der ­Belegschaft zurückkehren. Über diese Rückkehr müssen dann freilich Betriebsräte und Gewerkschaften verhandeln.