Laborbericht - außergewöhnliche Tiere

Die Zukunft wird super

Kolumne Von

Will man angesichts von Rechtsextremen in Parlamenten und Regierungen, Klimakatastrophe und des exponentiellen Wachstums des allgemeinen Irrsinns nicht völlig verzweifeln, ist eine etwas längerfristige Sicht auf die Welt hilfreich: In ein paar 1 000 Jahren wird niemand mehr den Namen Seehofer kennen; dass es in 100 000 Jahren noch eine Menschheit gibt, die sich untereinander das Leben zur Hölle machen könnte, ist fraglich; und in einigen Jahrmillionen werden sich die Ökosysteme der Erde wieder einer Artenvielfalt erfreuen, wie sie vor dem Treiben unserer Spezies herrschte – egal, welche Verwüstungen wir zuvor noch anrichten.

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Das Worst-Case-Szenario wäre wohl eine Heißzeit, vor der die Klimaforscher Will Steffen, Hans Joachim Schelln­huber und andere in einer dank Hitze­sommer vielbeachteten Studie warnen: Schon eine globale Erwärmung um zwei Grad könnte zu Rückkopplungseffekten führen, die einen unaufhaltsamen weiteren Temperatur­anstieg zur Folge hätten. Das wäre für die heutige Flora und Fauna, den Homo sapiens eingeschlossen, verheerend, erdgeschichtlich aber der ­Normalzustand.

Es drängt sich ein Vergleich mit dem Perm-Trias-Massenaussterben – dem größten der Erdgeschichte – vor etwa 250 Millionen Jahren auf. Vermutlich ebenfalls durch eine dramatische Erwärmung um circa zehn Grad, in diesem Fall ausgelöst von Megavulkanen, verschwanden damals rund 75 Prozent aller Land- und sogar 95 Prozent der Meeresbewohner.

Das Leben brauchte danach rund zehn Millionen Jahre, um sich zu erholen; dann allerdings bewies es einmal mehr seine Zähigkeit und Anpassungsfähigkeit und brachte vor allem eine große Vielfalt an Dinosauriern und ihren Echsenverwandten hervor.

In unsere Zeit wiederum passt, dass vor kurzem ein Klassiker der speku­lativen Zoologie neu aufgelegt wurde: In »After Man. A Zoology of the ­Future«, ursprünglich erschienen 1981, entwirft der Paläontologe Dougal Dixon eine Tierwelt, wie sie in 50 Millionen Jahren aussehen könnte. Im Vorwort zur Neuauflage betont Dixon, sein Thema sei nicht das Aussterben der Menschheit, es handle sich um ein rein erzählerisches Mittel, um die Mechanismen der Evolution aufzuzeigen; auch Klimaveränderungen habe er deshalb nicht mit einbezogen.

Dennoch bietet das Buch einen durchaus plausiblen – und wunderschön ­bebilderten – Blick auf eine Welt, in der sich beispielsweise die Nachfahren ­unserer Kanalratten zu den dominierenden Raubtieren ihrer Zeit ent­wickelt und rein aquatische Pinguinabkömmlinge die Rolle der ausge­storbenen Wale übernommen haben. Eine deutsche Neuauflage ist leider nicht geplant, das Original (erschienen bei Breakdown Press) ist aber hier­zulande erhältlich und sei allen zur Lektüre empfohlen, die zur Abwechslung mal etwas tröstlichere Zukunftsaussichten gebrauchen können.