Porträt - Der Schweizer Bergbauer Armin Capaul will Kühen ihre Hörner lassen

Nur mit Hörnern

Porträt Von

Er ist ein Schweizer Bergbauer wie aus dem Bilderbuch. Der 67jährige Armin Capaul trägt Vollbart und Wollmütze und ist lieb zu Tieren. Zu echten Tieren mit echten Hörnern. Seit Jahren setzt er sich dafür ein,  dass Kühe und Ziegen in der Schweiz ihre Hörner ­behalten dürfen. Menschen ohne Kuh- und Ziegenkontakt mögen sich wundern und den Tieren ihre Hörner gönnen. Die Menschen, die täglich Kuh- und Ziegenkontakt haben, wissen hingegen, dass die spitzen Hörner gefährlich sein können. Deswegen werden Kälbern die Hornansätze ausgebrannt. Capaul hat kein Verständnis für die brutale Prozedur, zudem bräuchten die Kühe ihre Hörner, um miteinander zu kommunizieren. Wenn gehörnte Kühe zusammenleben, brauchen sie allerdings auch mehr Platz.

Anzeige

Seit 2010 setzt Capaul, der selbst behornte Tiere hält, sich nun schon beim Bundesamt für Landwirtschaft und bei Politikerinnen und Politikern dafür ein, dass dies vom Staat gefördert wird, denn höchstens zehn Prozent der Schweizer Rinder haben derzeit noch ihre Hörner. Die Bäuerinnen und Bauern sollen Capaul zufolge subventioniert werden, damit sie ihre Tiere nicht enthornen und sich den größeren Platzbedarf leisten können. 2014 sammelte er Unterschriften für ein Referendum.

Am Sonntag stimmten die Schweizerinnen und Schweizer über die sogenannte Hornkuh-Initiative ab. Dabei zeigte sich, dass die Angst vor Hörnern und der ökonomische Druck doch größer waren als das Mitleid mit den Tieren. Zwar stimmten insgesamt beachtliche 45,3 Prozent für die Annahme der Initiative, aber eben nicht die Mehrheit. Vor allem Menschen in Städten stimmten für Kuhhörner, an der Spitze Genf mit fast 60 Prozent. Die Landbevölkerung stimmte hingegen meist dagegen. Dort, wo sehr viele Kühe mit Hörnern leben, in Appenzell Innerrhoden etwa, war die Ablehnungsquote am höchsten. Capaul will trotzdem nicht aufgeben und zeigte sich mit dem Ergebnis für eine solche komplett selbstorganisierte Kampagne zufrieden. Er war bereits 1968 beim sogenannten Globuskrawall in Zürich dabei, als für ein autonomes Jugendzentrum protestiert wurde, was als Beginn der Achtundsechzigerbewegung in der Schweiz gilt.