Kritische Astrologie - Sahra Wagenknecht und ihre Macht über unser Leben

From Sahra with Love

Kolumne Von

Erst ein paar Tage ist sie alt, die Rücktrittsankündigung von Sahra Wagenknecht, doch schon ist »Die Linke« aus dem Häuschen: Eine große Mehrheit ihrer Anhänger macht sich nun ernsthaft Sorgen um die Zukunft der Partei, viele prophezeien verheerende Ergebnisse bei der Eu­ropawahl, ja es geht sogar schon das Gerücht um, nunmehr stehe eine feindliche Übernahme durch die SPD, Nordstream oder Amazon ins Haus.

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Das ist lustig insofern, als Wagenknecht zuletzt mit der Linkspartei selber gar nicht mehr viel zu tun hatte, sondern an zwei bis drei Ersatzparteien herumschraubte, sich mal unter die Gelbwesten mischte, mal eine Art deutschen Corbynismus plante, dann wieder mit dem Blödelbarden Diether Dehm auf Tour ging und für die Restpartei eigentlich nur durch die Bauchbinde in Talkshows erkennbar war. Stets sprach sie für die Partei, meinte allerdings immer eine andere als die, die sich aus ihren Mitgliedern zusammensetzte. Als historisch wahrscheinlich einmalige Mischung aus Aushängeschild und agent provocateur brachte sie hervorragende Umfrageergebnisse, die sich aber im Wesentlichen gar nicht auf die Inhalte der Linkspartei bezogen. Im Feuilleton wurde sie als Betonsozialistin geschmäht, während sie sich in ihren Büchern auf Ludwig Erhard und Kapitalismus für alle bezog. Möglicherweise ist sie nicht einmal Parteimitglied.

Das Problem für die Linkspartei: Diese Art Gespenster- oder Parapolitik lässt sich auch nach einer Demission anstandslos fortsetzen. Möglicherweise wird Wagenknecht einfach weiter in Talkshows eingeladen und dort irgendwas vom Pferd erzählen, möglicherweise wird man auch ein Double organisieren, vielleicht sogar nach ihrem Ableben Kaminabende mit ihr veranstalten – schlicht deshalb, weil ihre Abwesenheit gar nicht eingeplant ist, weil man in den politischen Redaktionen ihre Nummer immer noch in der Kurzwahl hat – und weil man sich schon so daran gewöhnt hatte, sie zu hassen. Wagenknecht wird Wolfgang Bosbach noch immer ins Wort fallen, wenn die Partei schon längst hinwegreformiert ist.