Das Medium

Was für eine Gaudi

Über Pornos, beige Hosen und andere dunkle Geheimnisse.
Kolumne Von

Post von einem Hacker. Oder wohl eher von einem Hackerdarsteller, auch wenn er seine Mail mit den Worten »Ich bin ein Hacker« beginnt. Wobei, streng genommen beginnt er sie mit »Sie kennen mich eventuell nicht«, und Guten Tag oder Hallo sagt er auch nicht, aber was soll man auch von Leuten erwarten, die einem mitteilen, sie hätten »vor einigen Monaten Ihre E-Mails und Vorrichtungen geknackt«. Und der Geld von einem will, nämlich 1.000 Euro, in Bitcoins, für »unser kleines Geheimnis«.

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Vorangegangen war eine verwickelte, nicht durchgängig grammatikalisch korrekte Beschreibung dessen, was der angebliche Hacker meinem E-Mail-Account und meinem Rechner ­alles angetan habe – und dazu noch einer nicht näher benannten »Adult Vids«-Seite. Für den Fall, dass ich ein bisschen schwer von Begriff bin, hatte er in Klammern noch ein »Porno« dahintergesetzt und hinzugefügt: »Ich denke, dass Sie diese Seite besichtigt haben, um Gaudi zu haben (Sie verstehen, was ich impliziere)«. Nein, eigentlich nicht, zumal er weiter behauptet: »Dann erhielt meine Software voller Daten«.

Das ist nun wirklich nicht mein Problem, dass er nun Software voller Daten hat, genausowenig übrigens wie die Videoaufnahmen, die zu besitzen er vorgibt und die es gar nicht geben kann. Jedenfalls von mir nicht. Aber egal, er will 1.000 Tacken, wenn nicht, wird er diese Videos an Verwandte und Freunde schicken. Was der angebliche Hacker nicht ahnt: Meinen dunkelsten Internet-Moment hatte ich nur wenige Tage zuvor bereits mit Freunden und Verwandten auf Facebook geteilt. Völlig aus Versehen und absolut nicht beabsichtigt hatte ich nämlich gutgläubig eine Hose bestellt, deren Farbton als »nude« bezeichnet wurde, sich beim Auspacken aber als beige entpuppte. Beige, ausgerechnet beige. Davon hätte der junge oder vielleicht auch alte Mann mal ein Video machen sollen.