Die preisgekrönte Reportage

Der Fluch des Feuers

Günther J. ist Brandschutzwart des Flughafenungetüms BER. Gerne würde er sich erschießen, aber alle Dienstpistolen hängen irgendwo im Regionallager fest.
Kolumne Von

Was liegt am Strand und redet undeutlich? Ne Nuschel. Was manche für einen richtig dummen Witz ­halten könnten, ist täglich Brot von Günther J.: richtig dumme Witze. Als Brandschutzwart von Europas größter Spekulationsruine, dem Flughafenungetüm BER, muss er sich täglich die albernsten Sprüche anhören. Wer hätte 1984 bei Baubeginn auch ahnen können, dass ausgerechnet bei einem deutschen Prestigeprojekt der pathetische Wunsch nach deutscher Pünktlichkeit mit dem verständlichen Wunsch nach Brandsicherheit kollidieren könnte? Ganz sicher nicht J., glaubt J.: Er war zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal geboren. Im Gespräch mit der Jungle World gibt J. sich sachlich, will uns Tee anbieten. Doch ein Lieferengpass für Teeeier sowie Verformungserscheinungen an seinem Wasserkocher machen es unwahrscheinlich, dass die Tassen uns vor Kalenderwoche 50 erreichen. »Und dann sind eh schon wieder alle im Urlaub.« Ein Teufelskreis.

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Es ist nicht der einzige neue Rückschlag, den die BER-Leute (intern: BER-Tierchen) in den letzten Tagen wegstecken mussten. Zuerst der Fall mit den falschen Dübeln. Statt Spreizdübel wurden überall im Flughafen Kippdübel verbohrt – wodurch sich die Heizplatte nun mo­natlich vier Zentimeter nach Westen hin absenkt. Dann kam heraus, dass in den zentralen Medienschacht mittlerweile ein Rudel Kabelwölfe eingezogen ist – am Politikum »Schießbefehl« will man sich hier in Brandenburg auf keinen Fall die Finger verbrennen. Und schließlich stellte der Gutachter fest, dass das gesamte Flughafengelände auf einem alten Sorbenfriedhof errichtet wurde. »Wir haben Ektoplasma in allen Schotten«, so J. Der Flughafen Berlin Brandenburg »Willy Brandt« macht seinem Namen alle Ehre. Als Brandschutzwart ist J. für den Schutz all der Feuer zuständig, die in den nächsten Wochen »zufällig« die schwierigsten Bauabschnitte verheeren werden. Eine rechtlich nicht ganz saubere Lösung, aber die einzig noch verbliebene. »Schade ist es nur um die Douglas-Filiale im 1. OG, die schon vor zwei Jahren hier aufgemacht hat. Die haben uns immer aufs Klo gehen lassen.« Gerne würde sich J. erschießen – aber alle Dienstpistolen werden via DHL geliefert und hängen irgendwo im Regionallager fest. So bleibt ihm nur zu hoffen, dass der Tod einmal von selbst kommt. Hoffentlich nicht via BER!