Neues Zahlungssystem von Facebook

Die Zukunft des Zahlens

Seite 2 – Ist Libra eine Währung?
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Wenn Libra kein Facebook-Geld wird, wird es dann eine Kryptowährung? Technisch gesehen schon, denn Libra basiert auf einer Blockchain, einer im Internet verteilten Datenbank, in der alle Transaktionen wie in einem Kassenbuch gespeichert und mit kryptographischen Verfahren gegen Manipulation gesichert werden. Allerdings stellen sich die meisten Menschen unter Krypto­währungen wie Bitcoin ­etwas anderes vor. An Blockchains wie derjenigen, die Bitcoin zugrunde liegt, können grundsätzlich alle Menschen teilnehmen, die Lust, Zeit und das ­nötige Know-how mitbringen. Zugleich ist es zumindest theoretisch möglich, mit Kryptowährungen anonym zu agieren, solange die Bitcoins nicht in eine »reale« Währung wie Dollar oder Euro getauscht werden. All das soll mit Libra nicht möglich sein. Wer technisch am System mitwirken will, muss zur Libra Association gehören. Wer als Endkunde Libra zum Bezahlen benutzen will, soll sich ausweisen müssen, genau wie bei der Einrichtung eines Girokontos oder einer Kreditkarte.

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All die libertären Versprechen, die mit Kryptowährungen wie dem Bitcoin ­üblicherweise einhergehen, sollen also bei Libra bewusst nicht bedient werden. In der Libra-Blockchain werden am Ende auch kaum einzelne Transaktionen stehen. Um Zahlungen schneller ab­zuwickeln, sollen alle teilnehmenden Payment-Anbieter ihre Libra-Zahlungen intern verrechnen; nur größere Geldsummen, die etwa zwischen Facebook, Mastercard oder Paypal verschoben werden, werden in größeren Blöcken verrechnet. Auf diese Weise soll sich eine Zahlung mit Libra sehr viel schneller abwickeln lassen als etwa mit Bitcoin. Deshalb sind Meldungen, wonach Libra der Blockchain endlich zum Durchbruch verhelfen soll, eher unsinnig. Zugleich ist Libra aber auch kein Angriff auf die bestehenden, auf Blockchains basierenden Währungen, die in ihren jeweiligen Nischen durchaus weiter existieren können.

Wenn Libra also in dem Sinne keine Kryptowährung ist, ist es wenigstens eine Währung? Auch das ist nicht der Fall. Während Bitcoin im Internet ­erzeugt und anschließend wie Gold gehandelt wird, soll Libra einfach nur umgetauscht werden. Alles Geld, das in Libra angelegt ist, soll über die Libra Association durch Fremdwährungen wie US-Dollar oder Euro oder Staats­anleihen ­gedeckt sein. Anders als der Bitcoin dürfte Libra ­deshalb auch kaum Kursschwankungen unter­worfen sein. Derlei wird auch »Stable Coin« genannt. Spekulieren lässt sich damit also kaum, aber Preisstabilität erzielen, die sicherstellt, dass zehn Euro, die man heute in Libra eintauscht, auch morgen noch wenigstens ungefähr zehn Euro wert sind, ähnlich wie das Geld im Porte­monnaie. Libra ist also im Grunde ­genommen so etwas wie eine Geldkarte, die sich aufladen lässt, um anschließend mit ihr zu bezahlen, nur dass die Kunden keine physische Geldkarte mehr haben, sondern eine App auf ihrem Smartphone. Libra ist also keine Währung, sondern ein Zahlungssystem, das es ermöglichen soll, online schnell, einfach und billig kleine Geldbeträge zu bezahlen.