Das Medium - Hautpflege im »Spiegel«

Politgockelinnen an Falten schuld?

Linke Frauen und hochhackige Schuhe.

Vielleicht ist in Zeiten, in denen der Spiegel allen Ernstes ein Titelthema über Hautpfle­ge bringt beziehunsgweise über das, was im Prinzip doch nun wirklich jeder weiß, nämlich dass keine Creme der Welt dauerhaft für falten­freie, jugendliche Haut sorgt, nun wirklich alles egal – das wäre vor zehn, 15 Jahren ein schöner Anfangssatz gewesen, damals, als Leute noch Spiegel-Abos hatten oder es wenigstens für wichtig hielten, möglichst früh darüber informiert zu sein, was das Meinungsführerblatt denn nun schon wieder für Meinungen führte. Andererseits waren die finsteren Zeiten, in denen man von dieser ganz besonderen Sorte linker Frauen doof angemacht wurde, weil man geschminkt war, damals auch noch nicht so lange her, oder vielleicht sind diese finsteren Zeiten auch in Wirklichkeit nie vorbei gewesen, kann auch sein, weiß man halt nicht, wenn man mit Leuten, die kein Umgang sind, keinen Umgang pflegt.

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Hmmm, was aus ihnen wohl geworden ist, diesen Politgockelinnen, die immer ganz vorn dabei waren, wenn es galt, irgendwo eine Unterdrückung zu bekämpfen, und gleichzeitig so gern anderen Frauen vorschreiben wollten, wie sie auszusehen und was sie zu tun und zu lassen hatten, und »die deutsche linke Frau trägt keine hohen Absätze«? Toben sie sich nun in irgendeinem Elternbeirat aus oder in einer grünen Nichtraucher-Initiative oder fahren sie den ganzen Tag Fahr­rad, um Autofahrerinnen auf die Nerven zu gehen, oder sind sie beim Spiegel gelandet, um demnächst vielleicht über die allgemeine Schädlichhkeit von Schminke aufzuklären? Jedenfalls: Natürlich bringen Cremes nix. Aber sie riechen gut, fühlen sich hübsch an und sind ansprechend verpackt und machen insgesamt gute Laune, wofür ein paar Euro kein zu hoher Preis sind. Falten entstehen übrigens, wenn man andere Frauen nicht in Ruhe lässt.