Das Medium - Trump als Ego-Shooter

Blutige Köpfe

Kolumne Von

John McCain wird in der »Church of Fake News« posthum ermordet, Bernie Sanders angezündet, die Abgeordnete Maxine Waters und der ehemalige US-Präsident Barack Obama werden totgeschlagen, diverse Journalisten getötet und am Ende grinst die mordende Trump-Figur – so ungefähr lässt sich der Inhalt ­einer Videomontage zusammenfassen, die in der vergangenen Woche auf einer dreitägigen Konferenz vor Anhängern Donald Trumps in dessen Beach Resort in Miami gezeigt wurde. Und die dort selbstverständlich niemand gesehen haben will und von der sich kein Mensch erklären kann, wie sie dorthin kam. Interessant sind aber vor allem die Reaktionen auf das Machwerk, das viele Menschen empörte. Auf Twitter hatte der Journalist Yashar Ali, der unter anderem für das Magazin New York tätig ist, das Video gepostet, dessen Inhalt zuvor nur vom Hörensagen bekannt war. Er habe sich dazu schweren Herzens entschlossen, weil ohnehin bereits über das Filmchen diskutiert und es noch dazu in einem Club des US-Präsidenten vorgeführt worden sei, und zwar während einer Veranstaltung, die durch eine Organisation der Republikaner ausgerichtet worden sei.

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Ali wurde für die Veröffentlichung umgehend kritisiert, er antwor­tete darauf ruhig und sachlich. Dann aber äußerte sich der Schauspieler und Regisseur Nick Searcy, der über sein Social-Media-Verhalten einmal gesagt hatte: »Ich weiß, dass Menschen Gefühle haben, ich versuche, sie zu verletzten.« Er twitterte: »Ihr dummen humorlosen Arschlöcher seid wirklich großartig, wenn ihr getriggert werdet. Es handelt sich um eine Szene des Kingsman-Films.« Den politischen Gegnern Humorlosigkeit und Heulerei vorzuwerfen, ist in Alt-Right-Kreisen ungeheuer beliebt – diesmal verfingen die Anschuldigungen aber so gar nicht. Denn Searcy hatte einst über die Kabarettistin Kathy Griffin, die mit einem blutigen Trump-Kopf posiert hatte, getwittert: »Nur Linke haben mörderische Phantasien.« Tja.