Imageboard mit Imageproblem

Q sucht Asyl

Nach den Terroranschlägen von Christchurch, Poway und El Paso hat das Imageboard 8chan dicht gemacht. QAnon-Fans ärgert das besonders.
Kolumne Von

Ausdauernd sind sie ja, die »QAnon«-Fans. Dass die versprochenen Massenverhaftungen und -exekutionen liberaler Hollywoodstars, nicht ganz so reaktionärer Politiker und allgemein aller, die sie für links ­halten, schon seit vielen Monaten auf sich warten lassen, stört sie nicht im Geringsten – die Vorfreude auf die gern auch mal in blutigen Details ausgemalten kommenden Erniedrigungen, Folterungen und Morde ist so groß, dass sie anscheinend noch sehr lange ausgekostet werden kann.

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Was die Anhängerschaft der mittlerweile international verbreiteten Verschwörungstheorie dagegen sehr wohl stört, ist das Ende von 8chan. Das war das Imageboard, auf dem die Person oder Personen, die als QAnon firmieren, regelmäßig unfassbar bescheuerte, kryptische Botschaften posteten, die ihre Fans dann mit großer Begeisterung deuteten.

Nach den Terroranschlägen von Christchurch, Poway und El Paso hatten die Dienstleister von 8chan aber genug von der Negativpresse, und die QAnons wurden rausgeschmissen. Betreiber Jim Watkins kündigte zwar den Relaunch als 8kun an, hat aber ein Problem: Der 8chan-Gründer Frederick Brennan setzt alles daran, das neue Imageboard zu verhindern, weil er un­ter anderem QAnon mittlerweile als Gefahr ansieht. Zimperlich geht er dabei nicht vor: Vor kurzem versuchte er sogar zu verhindern, dass der US-Amerikaner Watkins die philippinische Staatsbürgerschaft erhält. Zusätzlich verfolgt er akribisch alle Versuche, 8kun online zu bringen, und verhindert sie oder gibt vielleicht auch nur damit an, dass er sie verhindere, so genau weiß man das nicht. Aber alles, was QAnon-Anhänger zur Weißlut bringt, ist selbstverständlich zunächst begrüßenswert. ­Außerdem kann man das Ganze bei Twitter live mitverfolgen, was wirklich sehr unterhaltsam ist.