Die preisgekrönte Reportage: Der Zivildienst

Die beste Zeit des Lebens

Das Comeback des Zivildienstes.
Kolumne Von

»Heute bin ich davon überzeugt: Der Zivildienst war die glücklichste Zeit in meinem Leben«, sagt Peter N. und blickt versonnen aus einem Fenster seiner 28-Zimmer-Villa. Der Caritas-Vorsitzende schlürft Tee aus seiner Elfenbeintasse, nascht an etwas Walfischkaviar und fährt dann fort: »Der Zivildienst anderer Leute, natürlich. Sie glauben ja gar nicht, wie schwer es ist, genug Holzköpfe zu finden, die diese Drecksarbeit zum Mindestlohn machen!« Bis zur Aussetzung der Wehrpflicht 2011 konnten Pflegekonzerne wie die Caritas auf einen potentiell endlosen Vorrat beliebig ausbeutbarer Jungsklaven zurückgreifen – »da ist gesamtgesellschaftlich auch etwas verlorengegangen«.

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Der Vorstoß von Vorstoßministerin Kramp-Karrenbauer, den Zivildienst in Form eines verpflichtenden Dienstjahres zurückzuholen, findet derzeit helle Begeisterung bei Leuten, die ihn nicht mehr leisten müssen. Der Liedermacher und Musikclown Thees U. sieht es so: »Für mich war der Zivildienst eine unglaublich wertvolle Zeit, weil ich dadurch gelernt habe, welchen Job ich im Leben auf keinen Fall machen will.« Gerade für junge Menschen sei diese Arbeit wichtig, so U.: »Denn im Alter will ich ja nicht von anderen alten Menschen gepflegt werden, das wäre doch Quatsch.«
Auch der Schauspielerdarsteller Til S. ist voll des Lobes: »Ich habe selbst Zivildienst gemacht: in meinem eigenen blöden Restaurant, Bareback Deli. Leitungswasser für 4,20 verticken, nachts betrunken auf Facebook rumpöbeln – das sind noch Erfahrungen, die Leute gemacht haben, wenn sie bei mir gearbeitet haben. Wie war noch mal die Frage?« Auch SPD-Grandseigneur Sigmar G. empfiehlt eine Rückkehr zum Zivildienst: »Es ist sehr wichtig, dass junge Menschen früh in Situationen absoluter Recht- und Hilflosigkeit gebracht werden – eine ideale Vorbereitung auf die Arbeitswelt unter SPD-Bedingungen!«

Für die Einführung eines solchen Dienstjahrs müsste jedoch das Grundgesetz geändert werden, beklagt G.: »Irgend so eine Scheiße von wegen Zwangsarbeit. Es geht nicht um Zwang, sondern um verpflichtende Freiwilligkeit, die nichts kostet. Wenn das vom Grundgesetz verboten wird, dann kann dieses Grundgesetz von mir aus gerne mit der Bettpfanne rausgestellt werden! Nur bitte nicht von mir.«