Die fünf absurdesten Reaktionen auf die Coronaepidemie

Hauptsache Hamstern

Corona ist ein wässriges Bier, eine mittelmäßige Eurodance-Band aus Italien – und so viel mehr. Nämlich ein Virus, das jede Menge bizarre Reaktionen auslöst. Diese sind aber keine Folge einer Covid-19-Infektion. Fünf Beispiele besonders absurder und dummer Panikreaktionen auf das Coronavirus.

Rassismus

Aus wissenschaftlicher Perspektive war das Auftreten eines neuen Krankheitserregers nur eine Frage der Zeit. Dass dessen Ausbreitung rassistische Ressentiments stimulieren würde, war aus soziologischer Sicht vorhersehbar – vor allem in westlichen Gesellschaften. Denn das konnte man bereits bei vergangenen Epidemien beobachten. Der mit dem Coronavirus verbundene Rassismus hat sich schneller verbreitet als das Virus selbst. Weltweit gibt es Berichte von Angriffen, Beleidigungen und Kontaktverweigerung, die als Chinesen angesehene Menschen treffen. SARS-CoV-2, wie es wissenschaftlich heißt, hegt hingegen keine Vorurteile. Es kann jeden anstecken. Eine konsequentere Handlung wäre also, alle Menschen zu verdächtigen, ein richtiger Misanthrop zu werden. Um zu überleben, müssten wir uns eigentlich individuell komplett abschotten. Allerdings gibt es gegen Rassismus leider keine Medizin.

Mundschutz

Anzeige

Sie sind zum Symbol der Covid-19-Epidemie geworden, in vielen Ländern sind sie bereits ausverkauft. Aber wie trägt man Atemmasken richtig? Die US-amerikanische Behörde für Krankheitsbekämpfung (CDC) hat schon illustrierte Richtlinien veröffentlicht, die zeigen, welche Gesichtsbehaarrungen mit den Masken kombinierbar sind. Backenbart? Geht nicht. Der Dali? Verboten. Hitlerbart? Passt. Dieser wird allerdings diplomatisch als »The Toothbrush« bezeichnet. Im Alltag schützen solche Masken kaum vor dem Virus, da kleine Aerosole den Maskenstoff passieren und größere Partikel durch die Augen infizieren können. Jerome Adams, Leiter der US-Gesundheitsbehörde, appellierte an die Bevölkerung: »Stop buy­ing masks!« Denn für Menschen, die regelmäßig in Kontakt mit Infizierten kommen, wie Ärztinnen und Pfleger, sind Atemmasken wichtig und sinnvoll. Nur sind sie leider oft schon aus dem Krankenhaus geklaut worden und im Handel nicht mehr erhältlich.

Händewaschen

Wenn man ein bisschen Zeit auf Twitter verbringt, könnte man meinen, die Leute wüschen sich erst seit dem Auftauchen des neuen Coronavirus die Hände. Umfragen bestätigen das weitgehend. Dem Meinungsforschungsinstitut Gallup International zufolge waschen nur die Hälfte der Niederländer nach einem Toilettenbesuch ihre Hände mit Wasser und Seife. In Frankreich sieht es mit 62 Prozent nur marginal besser aus. Deutschland hat mit 78 Prozent noch Verbesserungsbedarf, der Hygieneeuropameister ist aber eindeutig Bosnien-Herzegowina mit 94 Prozent. Dass nicht wenige Menschen erst auf die Idee kommen, ihre Hände gründlich zu waschen, nachdem eine Pandemie ausgebrochen ist, ist eine nicht zu unterschätzende Gefahr für die Zukunft der Menschheit. Und echt eklig.

Hamsterkäufe

In den sozialen Medien kursieren Fotos von Geschäften mit leeren Regalen, die aus einem Endzeitfilm stammen könnten. Supermärkte in Berlin und Brandenburg meldeten 30 bis 40 Prozent Umsatzsteigerung in der vergangenen Woche. Dass mit Lebensmittelknappheit gar nicht zu rechnen sei, wie das Landesgesundheitsministerium meldet, ist egal. Hauptsache Hamstern. Es braucht nur ein fieses Virus, um uns alle zu Preppern zu machen. Und das ist ein Grund zur Sorge. Denn deshalb kann es nun tatsächlich zu Engpässen kommen. Angesichts leerer Regale werden viele bei der nächsten Gelegenheit selbst zu Hamsterkäufern, bis der letzte Unentschlossene hamstert. Aber es gibt einen Trost: Endlich muss man mal das superweiche Luxusklopapier kaufen. Es ist nicht ­alles Scheiße.

Grußformen

Vorige Woche reichte Angela Merkel Horst Seehofer die Hand, er aber wollte sie nicht schütteln. Unter normalen Umständen ein Skandälchen, doch wegen des neuen Coronavirus ist es schlicht eine Überlebensstrategie. Unsere Hände tragen 3 200 unterschiedliche Bakterienarten von 150 verschiedenen Spezies. Die Franzosen sollen nicht küssen, die Gangster nicht fistbumpen. In Berlin scheint es eine inoffizielle Grußform zu sein, Leuten direkt ins Gesicht zu husten. Auf all das werden wir verzichten müssen. Unsere ansteckende Grußkultur ist am Ende. Was tun? Der Hitlergruß wäre zwar hygienisch, aber er ist politisch problematisch und obendrein gesetzlich verboten. Wer die in Thailand übliche Wai-Begrüßung nachahmt, muss vermutlich mit Kritik wegen kultureller Aneignung rechnen. Sylvie ­Briand von der WHO befürwortet den Ellen­bogenstoß oder den Fußgruß. Man muss aber das Rad nicht neu erfinden. Winken geht ja auch.