Die Tütengebühr kommt nicht in die Tüte

Die Tütenfrage

Cocolumne Von

Homeoffice, das heißt, viel daheim und deshalb auf Socken unterwegs zu sein. Keine einzige meiner Socken hat die Coronakrise überlebt. Also zu Peek & Cloppenburg, Klamotten für den Sommer gekauft, gleich einen ganzen Stapel. Folgender Dialog an der Kasse: »Macht 119 Euro. Wollen Sie eine Tüte für 20 Cent ­haben?« »Ich möchte eine Tüte, aber nicht für 20 Cent.« »Das ist jetzt aber so, wegen dem Plastikvermeiden.« »Sie darf gerne aus Papier sein.« »Haben wir nicht.« »Wie hatten Sie denn gedacht, mir die Ware zu übergeben? So einen Stapel Klamotten auf die Hand?« »Sie können auch einen Stoffbeutel für einen Euro erwerben.« »Ich will keinen Beutel erwerben, ich hätte gerne, dass Sie mir die Ware vernünftig überreichen. Ich kann doch nicht einen Stapel Socken und so weiter auf den Armen durch die Mall tragen.« »Ja, das kostet 20 Cent.« »Wenn, dann Sie.« »Äh … « »Wenn Sie beim Bäcker drei Croissants kaufen, möchten Sie auch, dass er die in ein Tütchen tut.« »Es ist wegen dem Plastik, der Umwelt.« »Und für 20 Cent ist die Umwelt dann egal? Ich nehme gerne Papier.« »Das haben wir nicht … « »Stellen Sie sich vor, Sie kaufen eine Currywurst und man sagt Ihnen: Hier bitte Ihre Wurst; wenn Sie eine Pappe drunter haben wollen, macht das 20 Cent.« Naja, und so weiter und so fort. Am Ende bin ich natürlich mit dem Stapel Klamotten auf dem Arm durch die Mall gestiefelt, in der festen Absicht, eine Bürgerwehr zu gründen. Doch dann kommt man nach Hause und da ist dieser kleine, niedliche Hund. So drollig, freut sich, hüpft auf seinen im Moment nur drei intakten Beinchen herum, wedelt mit dem Schwanz, schneidet Grimassen – da ist jeder Gram verflogen. Bei der Gassirunde macht Coco dann ihr Häufchen, ich stülpe gekonnt das Plastiktütchen drüber und ab damit in den Abfalleimer. Hundekacktüten, aus Plastik, gibt es an manchen Orten gratis aus ­einem Spender, vom Staat bezahlt. Die einzige Gegenleistung, die Hundehalter für die Hundesteuer erhalten.
Steuern sollen Einkommen für die Staatskasse generieren, aber auch ordnungspolitische Aufgaben werden ihnen zugeschrieben. Als der Adel im frühen 19. Jahrhundert immer genervter davon war, dass nun auch die Bürger anfingen, in Kutschen zu fahren, Klavier zu spielen, Diener zu haben und sich Stuben­vögel, Pferde, Katzen und Hunde zu halten, erließ der preußische König Friedrich Wilhelm III. 1810 eine «Luxussteuer» auf all diese Dinge. Als, angespornt von der Pariser Julirevolution, 1830 in Berlin die Schneider Krawall machten, war die Unzufriedenheit über die Hundesteuer einer der – zahlreichen – ­Auslöser. Von all diesen Steuern besteht nur eine bis heute fort, die Hundesteuer. Da ich auf die Klamotten Mehrwertsteuer bezahlt habe, kommt mir der Gedanke, der Staat sollte Plastiktütenspender bei Peek & Cloppenburg aufstellen.

Anzeige