Am Ballermann herrscht Partyverbot

Ballern bis zur Coronainfektion

Die preisgekrönte Reportage Von

Heiko Hassner ist wütend. »Hier wird eine ganze Industrie kaputtgemacht!« Wie viele andere ist der 58jährige verärgert über die Regierung der Balearen, die mehrere Feiermeilen am Ballermann zunächst wieder geöffnet hatte, um sie angesichts deutscher Partytouristen schnell wieder zu schließen. »Die Berichterstattung ist völlig übertrieben. Von Massen kann keine Rede sein. Das waren lediglich Horden. Also normal!« Hassner ist als Indie-DJ auf Mallorca eher ein Sonderling, spielt auch eher ­wenig gehörte Mickie-Krause-Songs wie »Zeig doch mal die Möpse«.
»Wir müssen über Normalität neu nachdenken«, sagt Hassner, während er an leeren Diskotheken und Kneipen vorbei geht. »Auch vor Corona sind hier ständig Menschen gestorben! An Erbrochenem erstickt zum Beispiel. Das ist ein Risiko, das erwachsene Deutsche selbständig eingehen!« Dass Spanien mittlerweile das europäische Zentrum der Coronapandemie ist, ficht ihn wenig an: »Bei uns trinken eh nur Deutsche. Hier ist alles sauber!« Zusammen mit anderen Ballermann-Wirten, Künstlern und Trinkern hat er ein Hygienekonzept entwickelt, das er der Regierung in Palma demnächst vorlegen will.

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»Es ist ganz einfach: Jede Kneipe wird in gleich große Segmente aufgeteilt: ein Gröhlareal, ein Kotzareal, ein Wiederbelebungsareal. Alle diese Areale sind durch Stoffvorhänge voneinander getrennt. Das Personal ist jeweils nur für ein Areal zuständig, muss dort auch nach Feierabend leben und übernachten. So bleibt die Krankheit auf den Ballermann begrenzt. Und das Einzige, was hier ansteckend ist, ist unsere gute Laune! Kapiert?« Eine Petition geht auch an den Deutschen Bundestag: »Wir brauchen Überbrückungsgelder! Stellen Sie sich vor, was für einen Schaden unsere Gäste anrichten würden, wenn sie nicht ins Ausland reisen, sondern in Deutschland bleiben würden! Die Regierung Merkel hat ein Interesse daran, dass im Ausland gekotzt wird.« Hassner schwebt eine Art Quarantäne-Kururlaub vor, bezahlt mit Mitteln der Krankenversicherungen: »Wir haben ausgerechnet: Es ist billiger, deutsche Urlauber aus Steuermitteln weiter Party machen zu lassen, als sie später dann in Deutschland monatelang beatmen zu müssen.«

Plötzlich wird er kämpferisch: »Es geht auch um unseren außenpolitischen Ruf! Wer soll in Europa denn Deutschland noch ernst nehmen, wenn die Leute nicht mehr live erleben können, wie entsetzlich wir wirklich sind?«

 

Aus der Urteilsbegründung: Leo Fischers preisgekrönte ­Reportagen sind in hohem Maße fiktiv. Ähnlichkeiten mit realen Personen und Geschehnissen sind unbeabsichtigt.