Bellorussisch für Anfänger

Sag’s auf Bellorussisch

Cocolumne Von

Derzeit schlüpfen die kleinen Larven. Drei Jahre lang werden sie nun mit ihren Giftzähnen ausgewachsene Schnecken töten und diese restlos verspeisen. Doch, doch, Sie kennen diese brutalen Insekten bestimmt, sie tragen einen hübschen Namen. Nach drei Jahren als kleine Monsterlarven verwandeln sie sich nämlich, nehmen eine ganz neue Identität an und knipsen für wenige Tage am Himmel fliegend ihr Licht an: Es sind Glühwürmchen. Das Würmchen ist aber gar kein Wurm, sondern ein Käfer und heißt eigentlich auch so: Leuchtkäfer. Sie dürfen aber gerne weiter Würmchen sagen. Apropos. Lukaschenko heißt jetzt neuerdings Lukaschenka, jedenfalls bei FAZ und Wikipedia, so ist es angeblich politisch korrekt, denn so würden es ja auch die Weißrussen sagen oder zumindest schreiben. Die heißen jetzt übrigens Belarussen, so wie Weißrussland nunmehr auch in Deutschland Belarus genannt wird. Das ist ganz wichtig, erklären die Experten, denn: »Wenn man weiterhin von ›Weißrussland‹ spricht, dann wird automatisch die Verbindung zu Russland hergestellt. Für die Belarussen ist es ein Nicht-anerkennen ihrer Identität« (ZDF). Dass Freiheit nicht ohne nationale Identität, also nur als nationale Freiheit gedacht werden kann, ist selbstverständlich Konsens vom ZDF bis hin zu Linken, die das Baskenland deshalb Euskadi nennen. Dass Menschen für freie Wahlen, Minderheitenrechte, Pressefreiheit und sozialen Fortschritt, gegen Korruption und Repression auf die Straße gehen, ist zu komplex für Titelseiten und Fronttransparente und zu universalistisch für ein Denken, dem es nur ums richtige Schubkästchen geht. Nun, da sich die Deutschen, also zumindest das Auswärtige Amt und die Deutsche Presseagentur, darauf verständigt haben, Weißrussland Belarus zu nennen und damit deutscherseits der belarussischen Identität genügend Awareness entgegengebracht wird, wird sicher alles gut. Obwohl: Auf Russisch heißt Weißrussland schon immer Belarus, und das hindert den Imperialisten aus Moskau auch nicht daran, seine Truppen an die, ihm doch egal, weißrussische oder belarussische Grenze zu verlegen. Aber dem Auswärtigen Amt wird man Untätigkeit nicht vorwerfen können, immerhin hat es die Landesbezeichnung angepasst.

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Glühwürmchen heißen auf Weißrussisch oder Belarussisch übrigens, ­zumindest laut Google-Übersetzer: »Svietliačok«. Kümmern die Tierchen sich darum? Wohl kaum. So wenig wie die Hündin Coco, die ja nach dem coco bello-Mann, dem Kokosnussverkäufer am Strand von Populonia, benannt ist, an ihrer Identität zweifeln würde, nur weil der Google-Übersetzer ihren Namen auf Weißrussisch mit Kakava übersetzt, was jedoch Kakao bedeutet und mit Kokos also überhaupt nichts zu tun hat. Die immer noch auf drei Beinen daherhinkende Coco hat derzeit viele Probleme – aber das gehört sicher nicht dazu.