Liselotte Kreuz hält die Berliner Schulsenatorin für so verlässlich wie eine Hollywood-Diva

Ein bisschen Glamour

Klassenkampf Von

Befreundete Eltern schulpflichtiger Kinder fragen mich gelegentlich mit verschwörerischem Blick, wie Berlin angesichts der Pandemie weiterhin mit den Schulen verfahren will: Wird es eine Verlängerung der zunächst einwöchigen Schließung nach den Weihnachtsferien geben? Wird es vielleicht wieder Wechselunterricht mit geteilten Lerngruppen geben? Werden die Schulen ab Mitte Januar wieder für den Regelunterricht geöffnet? Gerne würde ich dann, dem buchstabendealenden Lefty aus der Sesamstraße gleich, den Trenchcoat öffnen, aus einer der vielen Innentaschen eine Insiderinformation zaubern, sie unauffällig über den Tisch schieben und auf Bezahlung großmütig verzichten. Nur ist, wie ich immer wieder zu meiner eigenen Enttäuschung feststellen muss, der Trenchcoat nahezu leer, und alle Informationen, die ich hervorwühlen kann, sind erstens bereits in der Presse erschienen und zweitens hochgradig unzuverlässig.

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Vielleicht ist die Informationspolitik der Berliner Schulbehörde ein Versuch, unser pandemiegebeuteltes Leben im grauen Januar mit ein bisschen Glamour zu versehen, jedenfalls entspricht sie dieser Tage meiner Vorstellung von einer Hollywood-Diva der ­alten Schule, die während eines tablettenbegleiteten Sekthochs begeistert ihre neuesten Einsichten und Pläne an die Presse weitergibt, um sie dann im Lichte des verkaterten Folgetags von ihrem Sprecher sofort widerrufen zu lassen. Ich weiß also nicht, wie es weitergeht, ich werde es genau dann erfahren, wenn der Rest der Welt es erfährt, unter Umständen durch eine panische E-Mail meiner Schulleitung an einem Sonntagabend um sechs. Der Landeselternverband Berlin hatte die tolle Idee, man könnte die Schulen bis zu den Winterferien ja jetzt einfach mal geschlossen lassen und trotz der in der Pandemie veränderlichen Rahmenbedingungen zumindest versuchen, ganze zwei Wochen im Voraus zu planen.

Ich nehme an, dass sich die Berliner Bildungssenatorin Sandra Scheeres nach der Art ihres bisherigen Umgangs mit den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und einhelligen Forderungen von Gewerkschaften und Lehrerverbänden für diese Anregungen artig bedanken wird, um dann irgendwas anderes zu machen. Sie teilte der Presse mit, dass die Schulen vielleicht noch bis zum 18. Januar geschlossen bleiben könnten, außer für die Abschlussklassen, an Sekundarschulen also eigentlich für weniger als die Hälfte der Klassen, mit den Grundschulen muss man sich das auch noch mal überlegen und am liebsten soll überhaupt alles ganz schnell wieder aufmachen und das blöde Virus weggehen und gibt es hier eigentlich noch Sekt irgendwo? Schauen wir also alle mal nach, ob von Silvester noch ein Fläschchen übrig geblieben ist, und heben wir gemeinsam die Gläser auf das neue Jahr: Zumindest bleibt es spannend.