Cocolumne: Auch Hunde genießen Impfprivilegien

Eingeimpfte Privilegien

Kolumne Von

Es wird viel darüber diskutiert, ob die Impfung gegen Covid-19 zu gewissen »Privilegien« führe. Impfgegner beschweren sich, fühlen sich schon jetzt diskriminiert. Dabei profitieren sie ja von der Impfung anderer Menschen, wenn die Pandemie auf diesem Weg ihren Schrecken verliert, und das, ohne dass sie sich selbst impfen lassen müssen. Statt Opfer sind sie also ganz im Gegenteil Nutznießer und müssten dafür eigentlich mindestens einen Obolus entrichten.

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Eines der Viren, die hierzulande mittels Impfungen weitgehend ausgerottet werden konnten, ist das Tollwutvirus, das vor allem durch Füchse übertragen wurde. In den achtziger Jahren hatte man damit begonnen, großflächig Impfköder aus der Luft abzuwerfen. Man kann es Impfangebot nennen, denn die Füchse haben die Köder aus Fischmehl, Paraffin und pflanzlichen Fetten ja freiwillig gefressen, oder auch Zwangsimpfung, weil die Füchse nicht über den Impfvorgang aufgeklärt wurden. Wie auch immer: Die Impfung war unfassbar erfolgreich. Deutschland gilt seit 2008 als tollwutfrei.

Auch Coco wurde gegen Tollwut geimpft. Das ist zwar gesetzlich nicht vorgeschrieben, doch schon bei Reisen über europäische Grenzen hinweg ist eine Impfung Pflicht. Frei entscheiden können die Hunde nicht, auch wenn Tierrechtler das sicher begrüßen würden. Diese Entscheidung trifft Herrchen oder Frauchen. So einfach ist das. Geimpfte Hunde besitzen aber auch Privilegien gegenüber nicht geimpften. Nicht nur, dass nicht geimpfte Hunde nicht reisen dürfen, sie müssen getötet werden, wenn sie Kontakt mit einem tollwütigen Artgenossen hatten – geimpfte Hunde nicht.

Vor Tollwut ist Coco also geschützt. Auch gegen die von Zecken übertragene Borreliose wird sie regelmäßig ­geimpft. Aber sie hatte einen bösartigen Tumor. Das wurde bei der zweiten Biopsie ihres schlimmen Beins festgestellt, das so lange einfach nicht besser werden wollte. Dagegen hilft leider keine Impfung. Dagegen hilft Amputation. Bei einer OP wurde allerdings bereits großzügig der befallene Ellenknochen wegoperiert und Coco läuft auch ohne Elle gerade ganz wunderbar auf vier Pfötchen. Wagen wir es also und hoffen darauf, dass der Tumor nicht zurückkommt? Diese Entscheidung steht demnächst an.

Wie würde der Hund entscheiden? Er kann es nicht. Schon deshalb nicht, weil er nicht in der Lage ist, sich verschiedene Zukunftsszenarien vorzustellen und miteinander zu vergleichen. Tiere leben im Hier und Jetzt. Das ist schön, nur Wissenschaft lässt sich so natürlich nicht betreiben, und es ist daher kein Zufall, dass Hunde keine Raketen bauen und zum Mars fliegen, und auch Impfstoffe gegen Tollwut entwickeln sie nicht. Dennoch profitieren sie davon, dass wir Menschen Impfstoffe entwickeln und sie den Füchsen ungefragt verabreichen. Sie sollten sich also, siehe oben, nicht beschweren.