Cocolumne: Auch Hunde brauchen Flatrates

Der pauschale Hund

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Die CDU war in heller Aufregung: »Meine Damen und Herren, das Telefon ist kein Luxusartikel, sondern ein notwendiges Hilfsmittel für das menschliche Miteinander. Ohne oder mit noch teurerem Telefon würden unzählige Menschen in unserer anonymen Industriegesellschaft vollends isoliert und in die totale Einsamkeit verbannt werden. Darum sagen wir: Der Vierminutentakt ist unsozial; die linksliberale Bundesregierung will ein wesentliches Merkmal moderner Lebensqualität abbauen.« So echauffierte sich 1976 der christdemokratische Abgeordnete Carl Damm im Bundestag. Es half nichts, vier Jahre später, also vor gut 40 Jahren, wurde die erste Flatrate des Landes abgeschafft.

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Es wurde dann zwar kein Vier-, sondern ein Achtminutentakt, aber von da an hatten viele Deutsche eine kleine Sanduhr neben dem Telefon stehen, um sich rechtzeitig vor dem Taktende von ihrem Gesprächspartner verabschieden zu können. Bis dahin hatten Ortsgespräche 23 Pfennig gekostet, egal wie lange man telefonierte. Seitdem hat sich bekanntlich vieles geändert. Manches erlebte ein Comeback. Flatrates gehören heutzutage wieder selbstverständlich zum Leben, nicht nur beim Telefonieren. Manchmal hat sich auch nur der Name geändert. Die Flatrate für Ortsgespräche hieß in den Siebzigern natürlich noch nicht so. Beim Prinzip des Buffets und anderen »All you can eat«-Varianten handelt es sich um nichts anderes als um Flatrates; auch Flatrate-Saufen ist bekannt. Im Grunde ist jede Pauschale eine Flatrate, also auch der Skipass oder das Monatsticket für Bus und Bahn.

Für Coco wünsche ich mir manchmal eine OP-Flatrate. Auch so etwas gibt es. Nennt sich »Hunde-OP-Versicherung«. Ach, hätten wir die nur abgeschlossen! Coco ist ja Dauergast auf dem Operationstisch. Gerade wurde ihr ein Lymphknoten entfernt, um diesen untersuchen zu können. Also wieder Narkose, Pflaster, ­Fädenziehen und so weiter. Die kleine Coco lässt das alles tapfer über sich ergehen. Offenbar funktioniert der Hund auch ohne diesen Lymphknoten, so wie er of­fenbar auch ohne Elle funktioniert, die wurde ja auch schon herausoperiert. Schon interessant, was es alles für überflüssige Körperteile gibt. Na, Hauptsache man hat das Herz am rechten Fleck, nicht wahr?

Auch in der Tierklinik macht sich übrigens die Coronakrise bemerkbar. Die Tierärzte haben alle Hände voll zu tun, gäbe es dort Intensivbetten, wären sie belegt. Wegen der Pandemie boomt nach wie vor der Haustiermarkt, es gibt anscheinend kaum noch einen Menschen, der ohne Hund oder Katze lebt. Das bedeutet: mehr Nachfrage für die Futter- und Zubehörindustrie, beim Hundefriseur, bei der Hunde­schule und eben auch beim Tierarzt.