Porträt - Die US-Republikaner entmachten die Trump-Kritikerin Liz Cheney

Wenn Trump den Daumen senkt

Es gab mal eine Zeit, in der George W. Bushs Vizepräsident Dick Cheney als konservativer Hardliner in der Republikanischen Partei galt. Auch seiner Tochter Liz Cheney, die für die Republikaner im Repräsentantenhaus sitzt, wird niemand progressive Positionen unterstellen können. Doch unter Trump rückten die Republikaner immer weiter nach rechts; viele staatstragende Konservative sahen sich in ihrer eigenen Partei an den Rand gedrängt. Als »Never-Trumper« bezeichnet man jene kleine Zahl von Konservativen, die sich gegen Trump stellten. Besonders viel Rückhalt bei den republikanischen Wählern hatte diese Gruppe nie. Nun zeigt sich immer deutlicher, dass sie auch nach Trumps Wahlniederlage bei den Republikanern nichts mehr zu melden haben.

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Liz Cheney hatte voriges Jahr noch Wahlkampf für Trump gemacht. Erst als am 6. anuar Anhänger Trumps das US-Kapitol stürmten, schwenkte sie um. Seitdem kritisiert sie, dass Trump seine Niederlage nicht akzeptiert und von Wahlbetrug spricht. Damit zog sie sich die Feindschaft Trumps zu, der von den Republikanern auch weiterhin Gefolgschaft verlangt. Dass Liz Cheney als Vorsitzende der Republikanischen Konferenz im Repräsentantenhaus eine führende Rolle in der Frak­tion ausübte, war ihm ein Dorn im Auge. Vergangene Woche hat die republikanische Fraktion sie abgewählt. An ihre Stelle tritt nun die Trump loyal ergebene Elise Stefanik.

Cheney will ihren Sitz im Repräsentantenhauses behalten und auch erneut als Republikanerin für diesen kandidieren. Ob ihr das gelingen wird, ist fraglich, hat doch Trump immer wieder gezeigt, dass er von seinem Anwesen in Florida aus die Partei weiter im Griff hat. Die meisten republikanischen Politiker unterstützen ihn schon allein aus Karriererücksichten. Denn Trump kann über ihre politische Zukunft entscheiden, indem er eine Wahlempfehlung ausspricht oder sie als Verräter brandmarkt. Liz Cheney glaubt, es gebe eine schweigende Mehrheit unter den republikanischen Abgeordneten, die Trumps Kurs nicht folgen wollten. Doch fürchteten sie sich – nicht zuletzt vor gewalttätigen Anhängern Trumps. »Wir leben jetzt in einem Land, in dem das Abstimmverhalten der Parlamentsmitglieder betroffen ist, weil sie sich Sorgen um ihre Sicherheit machen«, kommentierte Cheney ihre Wahlniederlage.