Small Talk über ein neues Bündnis antifaschistischer Gruppen in NRW

»Die Bewegung in die Offensive bringen«

Antifaschistische Gruppen aus Nordrhein-Westfalen haben sich zu dem Bündnis »Antifa.NRW« zusammengeschlossen. Dadurch soll antifaschistische Politik mehr Öffentlichkeit bekommen. Ein Small Talk mit der Sprecherin des Bündnisses, Marie Thiele.
Small Talk Von

#Ein Antifa-Zusammenschluss – warum ist das jetzt notwendig?
Ein Zusammenschluss von antifaschistischen Gruppen ist immer nützlich, um den Austausch untereinander zu erleichtern, Kapazitäten und Informationen zu bündeln und allen zugänglich zu machen. So können wir effektiver arbeiten und gemeinsame Positionen lauter nach außen tragen. Viele Themenfelder sind zudem überregional und daher sinnvollerweise gemeinsam zu bearbeiten. Auch Kampagnen, Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit lassen sich gemeinsam sinnvoller gestalten.

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Wie steht es um die Antifa in Nordrhein-Westfalen?
Die Pandemie und der allgegenwärtige Rechtsruck setzen natürlich auch der antifaschistischen Bewegung zu. Wir haben das Gefühl, dass viele Gruppen weniger Handlungsmöglichkeiten sehen. Gleichzeitig gibt es weiterhin viele sehr aktive Strukturen, Gruppen in ländlichen Regionen, die seit Jahren gute Arbeit leisten und vielen analytisch wie praktisch spannenden Ansätzen nachgehen.

Welche Ziele verfolgt ihr mit der Organisierung?
Neben der beschriebenen gemeinsamen Arbeit wollen wir mit Antifa.NRW auch die Gruppen in Nordrhein-Westfalen unterstützen, sowohl beim eigenen Organisationsprozess als auch mit konkreten Hilfestellungen zu praktischen Themen. Wir wollen das vorhandene Potential bündeln und unsere Bewegung insgesamt wieder stärker in die Offensive bringen. Darüber hinaus wollen wir Antifa auch für Menschen von der Presse ansprechbarer machen, ­Interessierten helfen, passende Strukturen in ihrer Region zu finden, und eine Plattform für inhaltliche Debatten und Vernetzung bieten. Außerdem organisieren wir im Juli ein Antifa-Festival mit Hygiene­konzept, auf dem es politische Theorie, Diskussionen und praktische Trainings geben wird.

Jede Woche gibt es Aufmärsche der »Querdenker«-Bewegung und anderer Pandemieleugner. Warum regt sich dagegen so wenig Protest?
Die Mobilisierungen der »Querdenken«-Bewegung zeigen der klassischen Antifa-Arbeit ihre Grenzen auf. Diese gemischten Szenen sind schwerer zu analysieren, da sich die Kritik nicht nur an offen erkenn­baren Neonazis sowie den verbreiteten Verschwörungsideologien abarbeiten darf, sondern auch die mitlaufenden vermeintlich »normalen Leute« und deren Tolerierung und Normalisierung rechten Gedankenguts in den Blick nehmen muss. In der all­gemeinen linken Schockstarre zu Pandemiebeginn haben sich antifaschistische Gruppen zudem schwer getan (und tun sich teils weiterhin schwer), neue Konzepte und Strategien für den Umgang mit diesen neuen Mischszenen, aber auch den Pandemiebedingungen zu entwickeln. Jetzt gilt es, sich auf diese Bedingungen einzustellen und entschlossen Verschwörungsmythen und Querfront entgegenzutreten sowie eine eigene, linke Kritik an den autoritären Maßnahmen des Staats in der Pandemie stark zu machen, statt diese unwidersprochen zu lassen oder gar mitzu­tragen.