Porträt - Der rechts­extreme Terrorist Jürgen Conings tauchte in Belgien unter

Profi als Terrorist

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Zahlreiche Prepper und Nazis träumen wohl davon, Jürgen Conings hat es in die Tat umgesetzt: Ausgerüstet mit Kriegswaffen, die er aus seiner Kaserne mit­gehen ließ, ist der belgische Elitesoldat vor über zwei Wochen untergetaucht. In Bekennerschreiben drohte er verschiedenen Personen und Institutionen mit Anschlägen. Sein Hauptziel ist der Virologe Marc Van Ranst, der die belgische Regierung in der Covid-19-Pandemie beriet. Ranst war häufig in den Medien zu ­sehen und wurde zum Hassobjekt der Coronaleugner. Laut belgischen Medien hat Conings das Haus des Virologen aufgesucht und stundenlang observiert. Er sieht sich im Widerstand gegen die Lockdown-Maßnahmen; er könne »nicht mehr in einer Gesellschaft leben, in der die Politiker und die Virologen uns alles genommen haben«, heißt es in einem Bekennerschreiben.

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Der langjährige Berufssoldat wird im 12 000 Hektar großen Nationalpark Hoge Kempen an der niederländischen Grenze vermutet. Doch bei wiederholten Such­aktionen wurde bisher nur ein Militärzelt gefunden, das er vermutlich benutzt hatte. Conings hat Einsätze im ehemaligen Jugoslawien, Libanon, in Afghanistan und dem Irak absolviert, er soll ausgebildeter Scharfschütze sein – und er ist bekennender Rechtsextremist. Seit vorigem Jahr stand er in Belgien beim militärischen Geheimdienst auf einer Liste terroristischer Gefährder. Das belgische Verteidigungsministerium will davon nichts gewusst haben. Allerdings war Conings schon im vorigen Jahr wegen rechtsextremer Äußerungen sanktioniert worden. Zur Strafe wurde er ins Depot versetzt. Dort konnte er vier Panzerabwehrraketen und eine Maschinenpistole sowie Munition entwenden, bevor er untertauchte.

Manche Coronaleugner unterstützen Conings. Mahnwachen wurden abgehalten, eine inzwischen geschlossene Facebook-Gruppe hatte 50 000 Mitglieder. Der Fall verdeutlicht das Gewaltpotential in Teilen dieser Szene, aber auch die enorme Gefahr, die von rechtsextremen Soldaten ausgeht, vor allem wenn sie Eliteein­heiten wie der deutschen KSK angehören. Denn diese haben nicht nur Zugang zu Kriegswaffen, sie sind auch perfekt ausgebildet für den Terrorismus.