Der Roman »Sea« von Norbert Klugmann und Klaas Jarchow

Nazis statt hygge

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In Schweden sitzen Neonazis im Parlament und bringen Leute um, die ihnen zu genau auf die Finger schauen; doch das Bild von der schwedischen Idylle à la Bullerbü hält sich bei Touristen hartnäckig. Auch die Hauptpersonen des Romans »Sea. Die Lebenden und die, die sterben« von Norbert Klugmann und Klaas Jarchow haben diese Klischeebilder im Kopf, als sie ein Sommerhaus auf einer Insel auf den Schären mieten. Der 20jährige Warren und sein Vater Charles sind hingerissen von freilaufenden Kühen und hyggeligen Hütten. Charles ist ein international tätiger Geschäftsmann mit etlichen Kunden in den skandinavischen Ländern, der Sommerfrische und Geschäft verbinden will. Warren freut sich indes über Schnellboote und Angelmöglich­keiten und lernt den schwedischen Sterne­koch Victor kennen.

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In dessen Restaurant arbeitet Eva, in die er sich heftig verliebt. Ihre antisemitischen Sprüche nimmt er zuerst nicht ernst, aber dann deckt er die Zusammenhänge auf. Da sind die schwarzgekleideten, fahnenschwenkenden Typen, die sich bei Victor versammeln; da ist der deutsche Anwalt, der seinen Ruhestand auf der Insel genießt. Früher hat er RAF-Mitglieder verteidigt, heute verteidigt er rechtsextreme Überzeugungen. Und dass der gefeierte Koch nur Produkte aus heimischer Landwirtschaft verwendet, ist bei näherem Hinschauen nicht sympathisch, sondern die pure Blut-und-Boden-Ideologie.

Bald hegen Warren und Charles den Verdacht, dass Victor und seine Clique irgendeine Aktion auf dem Festland planen. Können sie dahinterkommen, worum es geht, und womöglich ein Attentat verhindern? Und für Warren stellt sich die Frage: Wie tief ist Eva in den braunen Sumpf verstrickt und kann sie noch herausgeholt werden? Womit klar ist, dass es sich bei dem Roman um einen spannenden und leider überaus ­realistischen Krimi handelt.