Die Serie »A League of Their Own« räumt mit Klischees auf

Home Run der Frauen

Weiß, attraktiv und heterosexuell sollten die Spielerinnen der All-American Girls Professional Baseball League nach den Vorstellungen der Geldgeber sein. Die Serie »A League of Their Own« erzählt die Geschichte der Pionierinnen des Frauenbaseballs in den USA.

Die Komödie »A League of Their Own« (1992) unter der Regie von Penny Marshall mit Tom Hanks, Rosie O’Donnell und Madonna in den Hauptrollen gehört zu den populärsten US-amerikanischen Sportfilmen der jüngeren Kinogeschichte. In Deutschland kam der Film unter dem Titel »Eine Klasse für sich« ins Kino. Vor dem Hintergrund des Gründung der All-American Girls Professional Baseball League 1943 erzählt der Film von zwei Schwestern, die zu den ­ersten Spielerinnen der Rockford Peaches gehören. Der sportliche Wettkampf ist dabei nur eine der Herausforderungen, denen sich die Frauen stellen müssen. Das Publikum interessiert sich anfangs nicht für den Frauenbaseball und der Geldgeber droht damit, die Liga wieder ­einzustellen, wenn die Zuschauerzahlen nicht steigen. Knappe Kostüme sollen das Publikum ins Stadion locken.

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Die All-American Girls Professional Baseball League (AAGPBL) war eine professionelle Baseballliga der Frauen in den USA und existierte von 1943 bis 1954. Die kriegsgebeutelte Nation sollte mit Frauensport bei Laune gehalten werden. Schwarzen Sportlerinnen war die Teilnahme an der Liga verwehrt. Drei afroamerikanische Spielerinnen spielten in den Teams der Indianapolis Clowns und der Kansas City Monarchs in den »Negro Leagues«.

Wurde im Kinofilm »A League of Their Own« nur durch einen einzigen Baseballwurf angedeutet, dass auch schwarze Frauen Baseball liebten und in die Weißen vorbehaltene Profiliga drängten, widmet sich die gleichnamige Serie den Kämpfen schwarzer Baseballspielerinnen mit einem eigenen Handlungsstrang.

Die von Abbi Jacobson und Will Graham für Amazon Prime gedrehte Serie greift die Konflikte auf, die ­bereits der Kinofilm verhandelt hat. Die Eigentümer der Liga schreiben den Spielerinnen vor, wie sie sich schminken müssen, wie kurz ihre Röcke sind und wie sie sich in der Öffentlichkeit zu benehmen haben. Hosen sind tabu, alles wird dafür getan, dass die Spielerinnen nicht ­aussehen wie ein »Haufen Queers«. Wer dem Schönheitsideal nicht entspricht, fliegt wieder aus dem Team. Die Frauen stehen unter der stän­digen Aufsicht einer Anstandsdame (Dale Dickey) und schlagen sich mit einem Trainer (Nick Offerman) herum, der Frauen das Baseballspielen weder zutraut noch versteht, was die Spielerinnen alles aufzugeben bereit sind, um ihren Traum von der Sportkarriere zu verwirklichen.

Zugleich setzt das Remake andere Akzente als die Sportkomödie aus den Neunzigern und erzählt eindringlich von rassistischer und sexueller Diskriminierung. Jacobson und Graham gelingt damit eine facettenreiche Neuinterpretation, die die unterschlagene Geschichte einer Genera­tion von Frauen erzählt, für die Baseball auch bedeutete, gegen patriarchale und rassistische Strukturen aufzubegehren. Wurde im Kinofilm nur durch einen einzigen Baseballwurf angedeutet, dass auch schwarze Frauen Baseball liebten und in die Weißen vorbehaltene Profiliga drängten, widmet sich das Remake den Kämpfen schwarzer Baseballspielerinnen mit einem eigenen Handlungsstrang.

In der Serie folgen die Zuschauenden den beiden Protagonistinnen Carson Shaw (Abbi Jacobson) und Maxine Chapman (Chanté Adams), die beide den Traum vom Profisport verfolgen. Ihre Geschichte könnte aber nicht unterschiedlicher verlaufen. Carson Shaw bricht, während ihr Ehemann im Krieg ist, aus einem Provinznest in Idaho auf, um an den Tryouts der ersten Frauen-Baseballliga in Chicago teilzunehmen. Carson wird in das neugegründete Team der Rockford Peaches als ­Catcherin aufgenommen.

Auch Maxine Chapman brennt fürs Baseballspielen und ist zudem äußerst talentiert. Als schwarze Frau aber wird sie von den Tryouts ausgeschlossen. Während Carsons Kar­riere als professionelle Baseballspielerin beginnt, versucht Maxine, einen Platz in den »Negro Leagues« zu ergattern, allerdings bei einem Team, in dem nur Werksangehörige spielen dürfen. Kurzentschlossen ­bewirbt sie sich für einen Knochenjob in der Kriegsindustrie.

Die Geschichten der beiden Frauen sind mit ihrem jeweiligen Umfeld fein verwoben und schnell stellt sich heraus, dass sowohl Carson als auch Maxine nicht davon träumen, den Rest ihres Lebens als gute Ehefrau und Mutter zu verbringen. Carson ­beginnt eine heimliche Affäre mit einer Spielerin. Maxine verbirgt ihr Lesbischsein sogar vor der besten Freundin. Als sich Maxine und Carson zufällig begegnen, finden sie eine Ebene, um über ihre Gefühle sprechen zu können, und stürzen sich kopfüber in die in den zwanziger Jahren entstandene queere ­Subkultur Chicagos.

Carson platzt förmlich vor Energie und ist voller Lebenslust. Im Zug, der sie nach Chicago bringt, verwickelt sie ihre Sitznachbarin in ein Gespräch über die Darstellung der Liebe in Jane Austens »Stolz und Vorurteil«: »Was mir daran am besten gefällt, ist, dass es nicht wie ein Märchen ist. Es dauert eine Weile.« Ihre Sitznachbarin verlässt fluchtartig ihren Sitzplatz; Carson klappt gedankenver­loren das Buch zu und reist voller Erwartungen in ein neues Leben.

Leicht und ungezwungen gelingt in »A League of Their Own« die ­Darstellung der Beziehung zwischen Carson und ihrer Mitspielerin Greta Gill (D’Arcy Carden), die sich langsam zu der großen Liebesgeschichte entwickelt, an die Carson längst nicht mehr geglaubt hat. Zunächst scheint es nur ein Running Gag zu sein, wenn Spielerin Shirley (Kate Berlant) sagt, sie habe Angst davor, sich mit Homosexualität »anzu­stecken«. Bald verlässt der Film aber diese humoristische Ebene und zeigt, welche Risiken lesbische Frauen eingehen, wenn sie Affären haben. Die Serie verdeutlicht einerseits die realen Gefahren, die es im Jahr 1943 mit sich brachte, homosexuell zu sein, und auf der anderen Seite die Freude der Protagonistinnen, ihre Sexualität auszuleben, und ihre ­Euphorie, als sie eine queere Community entdecken.

Homosexualität ist im US-ame­rikanischen Profisport noch immer ein Tabu, auch wenn sich immer mehr Frauen und Männer in der Öffentlichkeit outen. Dass es lesbische und queere Frauen nicht nur in der Serie, sondern schon immer auf dem Spielfeld gab, verdeutlicht nicht nur die langjährige Recherche von Jacobson und Graham zu den Pionierinnen der Liga, sondern besonders eine Rede bei der Serienpremiere auf dem Tribeca Film Festival: Maybelle Blair, die 1948 als Pitcherin in der All-American Girls Professional Baseball League spielte und von Jacobson und Graham als Beraterin konsultiert wurde, outete sich mit 95 Jahren auf der Bühne. »Ich habe mich 75, 85 Jahre lang versteckt. Das ist hier tatsächlich das erste Mal, dass ich mich jemals geoutet habe«, verkündetet die ehemalige Profisportlerin unter dem Applaus des Publikums. Ihrem Beispiel werden hoffentlich noch viele (ehemalige) Profis ­folgen.

A League of Their Own (USA 2022). Buch und Regie: Abbi Jacobson, Will Graham und andere. Darsteller: Abbi Jacobson, Chanté Adams, D’Arcy Carden, Gbemisola Ikumelo. Die Serie kann bei Amazon Prime gestreamt werden.