Das Album »When the Wind Forgets Your Name« von Built to Spill

Ungewöhnlich verwaschen

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Built to Spill klangen schon immer wie der Gegenbeweis für die nicht zu Unrecht weitverbreitete These, dass von Männern gespielte Gitarrenmusik am Ende allzu oft auf machistische ­Attitüden hinausläuft. Das ist wohl insbesondere der Tatsache geschuldet, dass die harten, verzerrten Riffs der Band durch die weiche Stimme von Sänger und Gitarrist Doug Martsch sowie die melancholischen, im besten Sinne sentimentalen Melodiebögen gebrochen werden; beides mutet nicht selten wie eine zeitgemäße Version von Neil Youngs Musik an.

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»When the Wind Forgets Your Name« heißt nun das neue Album – das erste mit Eigenkompositionen seit »Untethered Moon« von 2015. Wie bei Built to Spill üblich, hat Bandleader Martsch im Vorfeld mal wieder am Personalkarussell gedreht, sodass die Aufnahmen mit Lê Almeida und João Casaes von der brasilia­nischen Jazz-Rock-Band Oruã eingespielt wurden. Gleich der Opener »Gonna Loose« klingt so, als hätten Black Sabbath und die Beatles gemeinsame Sache gemacht: Schwere, psychedelische Gitarrensounds à la Tony Iommi weichen nach der Hälfte des Songs melancholisch-heiteren Noten, die auch der Feder Paul McCartneys entstammen könnten.

Der Sound des neuen Albums fällt im Vergleich zu früheren Produktionen deutlich reduzierter aus, was im wesentlichen der Tatsache geschuldet ist, dass die Aufnahme dieses Mal in Trio-Formation mit nur einer Gitarre vorgenommen wurde – während in der Vergangenheit mitunter drei Gitarren zu hören waren. Abgesehen von einigen spärlichen Overdubs gleicht das hier veröffentlichte Endprodukt daher nahezu einer Live-Session.

Was zugleich zum einzigen echten Kritikpunkt überleitet: Der Sound auf »When the Wind Forgets Your Name« klingt für Built-to-Spill-Verhältnisse ungewöhnlich verwaschen – positiv gewendet könnte man ihn auch als retro oder authentisch-analog bezeichnen. Im Vergleich zum Klang von »Untethered Moon« oder auch eines Klassikers wie »Keep It Like a Secret« aus dem Jahr 1999 fällt er dennoch negativ ins Gewicht, was den insgesamt gewohnt positiven Gesamteindruck aber nur geringfügig schmälern kann.

Built to Spill: When the Wind Forgets Your Name (Built to Spill Recording Company)